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KAMPAGNE
FÜR GUTES BIER
Die
Verbraucherinitiative für mehr Biervielfalt
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VERBRAUCHER
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BIERIMAGE
Die hier genutzten Bilder entstammen verschiedenen
Zeitschriften (z.B. Weingourmet,
Impulse, Bierpassion, Getränkefachgrosshandel) und sind hier
lediglich zu
Anschauungszwecken integriert. Die Rechte zur kommerziellen Nutzung
dieser
Bilder liegen ausschließlich bei den Urhebern.
Einleitung
Was fällt einem
spontan zu Bier ein? Große Maßkrüge, dicke
Bäuche, Lederhosen, Gamsbart, derbe Geselligkeit, Fußball,
Festhallen, üppiges
Essen, Traditionen.
Die
Sorte Pilsner ist sicherlich mit dem Gedanken groß
geworden, dass es noch ein anderes Image geben muss. Allerdings wirkt
die
„gepflegte Gastlichkeit“, die eng mit dieser Biersorte verbunden
scheint, inzwischen erheblich eingestaubt und so kann man dem
„kühlen Hellen in
der schlanke
Tulpe“ auch nicht wirklich mehr eine gewisse Progressivität
abringen.
Dummerweise
scheint ein Großteil der bierkonsumierenden Welt
(das bezieht Hersteller, Medien und Verbraucher mit ein) dies auch
unterschwellig nicht anders zu wollen. Der brauende
Mittelstand flüchtet sich in die traditionelle
Bügelverschlussflasche und die Medien lieben
das bunt
niedliche an lederhosentragenden Brauern. Das Bild von Vollbart,
Bierkrug,
Zuprosten und endlose Bierzeltgarnituren bedient die niedersten
Klischees zu
diesem Getränk. Viele der großen
Brauereien sind schon lange von diesen traditionellen optischen
Merkmalen weg, denn ein
feines
Pilsner passt irgendwie nicht so recht zu einem ländlichen
Wirtshaus oder zu
exportkonsumierenden Ruhrpottlern. Allerdings fördern diese
Brauereien eher
eine
Monokultur des Angebots, Marken- und Imagepflege wird mit vielen
Werbemillionen
unterstützt ohne dass sich das Produkt an sich erkennbar
qualitativ
verbessert. Die Ergänzung der Produktpalette durch z.B. ein
alkoholfreies und
einem dunklen Bier gilt eigentlich nicht der Bereicherung der
Bierlandschaft,
sondern versucht mehr den erarbeiteten Markenwert auf andere Produkte
zu
übertragen.
Dass
hier und da ein wenig Unzufriedenheit mit dem Status
Quo in der Bierbranche aufkommt, dokumentieren in
kleinerem Maße solche exotischen Produkte, wie die der
Klosterbrauerei
Neuzelle.
Dieser
Beitrag beschäftigt sich maßgeblich mit einer
Aufhebung der Stagnation in der Präsentation von Bier. Gerade die
Flucht
mittlerer Brauereien in die Tradition und die langfristig angelegte
Imagepflege
vieler großer Brauereien wird letztendlich nur dazu führen,
dass es zu einer
starken Polarisierung der Präsentation von Bier kommen wird.
Weiterhin
könnte Kreativität und Progressivität
in der Präsentation von Bier letztendlich auch zu einer so
dringend notwendigen
Progressivität im Angebot von Bier führen.
Anfänglich
geht es jetzt erst mal um die Feststellung, dass
Bier sehr unterschiedlich und einzigartig sein kann. Was kann mit der
Präsentation von Bier gemacht werden, damit eine
Heterogenität und erkennbare
Abgrenzung gegenüber anderen Bieren möglich wird? Weiterhin,
wie kann Bier mit
so vielen als möglich positiven Attributen besetzt wird?
Angenommen mein
Produkt ist wirklich einzigartig, wie dokumentiere, bzw. wie
präsentiere ich
das?
Definition und
Abgrenzung von Bier
Bier ist ein leicht
alkoholisches, handwerklich
hergestelltes Getränk. Es bietet vielleicht die größte
Spannbreite an Vielfalt
aller Getränke. Es kann Durstlöscher, Essensbegleiter und
Genussmittel sein.
Zudem hat es erwiesenermaßen auch gesundheitsfördernde
Attribute. Das Problem
ist, dass noch zu wenig Differenzierung in der Bierwelt existiert – und
wir
als Deutsche sind einfach zu sehr an dieses Getränk gewöhnt.
Ein Indiz
für ein zu homogenes
Angebot ist, dass ca. 93% der in Deutschland hergestellten Biere sich
um die 5%
Alkoholgehalt bewegen.
Darstellung von
Vielfalt
Bier hat eine Menge
an Vielfalt zu bieten, was aber nur sehr
eingeschränkt genutzt wird. Während Wein, Kaffee und Grappa
etc. sich modern und
vielfältig einsetzbar präsentieren und eigentlich eine
Bandbreite vorgauckeln,
die es so gar nicht gibt, werden bei Bier nicht annährend die
Möglichkeiten
ausgeschöpft. Dabei kann es sehr einfach mit förderlichen
Attributen belegt
werden - wie z.B. vielfältiger Essenbegleiter, saisontauglich,
regional
geprägt, Assoziationen mit einzigartiger Natur und Umgebung wie
auch mit zeitloser
Architektur. Attribute wie schön,
einzigartig, erhaben,
geschmackvoll und
modern, bzw. progressiv und Bier macht Spaß sind auf
jeden Fall
Attributen, wie
traditionell, altbacken und dickleibig vorzuziehen.
Darstellung
von Bier in der Öffentlichkeit
Die schlechten
Beispiele

Was
viel zu
häufig in Bierdarstellungen vorkommt sind
unattraktive und beleibte Menschen. Dicke Bäuche und
Vollbärte sind einfach zu meiden. Auch
sind die Darstellung von dicken, historischen Figuren
nicht
hilfreich. Ein schlechtes Image vermitteln auch Menschen in
Laborkitteln. Das
mag Reinlichkeit darstellen, aber Bier entsteht nicht im Reagenzglas.
Menschen
in Krawatten sind auch nicht so wünschenswert, weil dann
der
Eindruck entstehen
könnte, dass Bier pures Geschäft wäre. Extrem klassisch
wirken auch Wappen auf
Etiketten und die allgegenwärtige Nutzung altdeutscher Schrift in
Markenbezeichnungen. Noch schlimmer sind Medaillen, die auf einer
Weltausstellung von vor 100 Jahren gewonnen wurden.
Auffällig
ist gerade die Darstellung des nebenstehenden
Bildes: Beleibte Dame, fröhlich zechender Mann, riesiger Bierkrug
– Bier ist
gelagefähig!
Beispiele aus der Weinbranche
Die
Weinbranche ist
ein hervorragendes Vorbild einer
lebhaften und progressiven Branche. Hier drängen neue Betriebe und
neue Weine
ständig auf den Markt. Es herrscht eine Kultur des Anders- oder
Besserseins,
unzählige Institute, Fach- und Publikumszeitschriften bedienen
eine immer
größer werdende Kommune an Verbrauchern, die Wissen und
Konsum miteinander
verbinden wollen. Wein ist das Getränk des Lichtes, der
Schönheit, der Natur
und des Genusses, während sich die Bierzecher in dunklen
Höllen verkriechen.
Gerade
das nebenstehende Bild eines australischen Weinguts
ist ein hervorragendes Beispiel, was für eine Reihe von positiven
Assoziationen
man mit Wein belegen kann. Das Fass symbolisiert Qualität und
etwas Tradition
(aber nicht zu viel), die Menschen sind locker, freundlich, aber wirken
auch
kompetent. Die asiatische Dame stellt auch eine gewisse
Internationalität dar,
die immer für eine fortschrittliche Darstellung gut geeignet ist.
Der
Hintergrund suggeriert die lange Firmengeschichte. Dies könnte
übrigens auch
ohne weiteres ein Bild einer U.S. amerikanischen Brauerei sein, soll
heißen die
gleichen positiven Assoziationen werden in dem Land auch für Bier
genutzt.
Ein
anderes Bild zeigt einen Ausschnitt einer von drei
jungen Winzern aus der Pfalz. Man verbindet mit diesem Bild jung,
dynamisch,
kompetent, gepflegt, aber locker – der Artikel ist über eine neue
Generation
von jungen Pfälzer Winzern. Wenn bei Bier mal etwas über
einen
Generationenwechsel berichtet wird, dann geht es mehr um die
Fortführung einer
faktisch stillstehenden Tradition. Bier bietet so viel
Möglichkeiten der
Entfaltung, wenn man sich an die Maxime hält, dass ich es besser
als meine
Vorgänger oder Konkurrenten machen werde. Das ist genau der Punkt,
worüber die
Medien dann auch gerne schreiben. Sachen, die sich nicht auffallend
verbessern,
sind keinen Beitrag wert. Da aber immer etwas über Bier berichtet
werden muß, halten sich die Medien gerne an gefestigte weit
verbreitete Meinungen, wie z.B. dass in Deutschland eine
Brauereisterben herrscht, dass Jobs abgebaut werden und dass die
Deutschen immer weniger Bier trinken... warum der Presse nicht zur
Abwechselung mal ein paar positive Nachrichten bieten?
Beispiele aus anderen
Ländern

Belgien
und die
U.S.A. sind beides unterschiedliche, aber
sehr geeignete Beispiele, um aufzuzeigen, wie Bier auch behandelt
werden kann.
Belgien steht dabei für sehr gehaltvolle und genussträchtige
Biere. Ferner ist
gerade der wallonische Teil Belgiens kulinarisch stark durch Frankreich
geprägt, somit gibt es dort eine enge Verbindung zwischen Haut
Cuisine und
charaktervollen belgischen Bieren. Die Kunst der Flaschengärung
ist hoch geschätzt, somit setzen Gaststätten auch nicht
zwingend nur auf Fassbier - ein Umstand, der ein Angebot von mehreren
hundert Bieren in vielen Gaststätten ermöglicht. In einem
solchen
Umfeld hat Bier verständlicherweise auch einen anderen
Stellenwert.
Nebenstehend
wird ein Kellner eines klassischem Cafés (dem
Mort Subite in Brüssel) gezeigt und wie Bier dem Kunden auch
nähergebracht
werden: Stilvoll, mit bedacht, elegant, in langstiligen Pokalen – das
könnte
auch Champagner sein, wenn man nicht so genau auf die Schaumkrone
achtet.
Ein
anderes Bild zeigt, dass es nicht nur bei Wein möglich
ist mit geschultem Blick ein Getränk zu prüfen – das klappt
auch bei Bier.
Allerdings muss man dabei nicht zwingend dermaßen kritisch
dreinblicken, wie
bei Wein die Regel ist.
Was
die U.S.A. angeht ist es faktisch unmöglich zu erfassen,
was sich mit der sukzessiven Aufhebung eines
Prohibitionsüberbleibsel seit den
letzten 30 Jahren in der dortigen Kleinbrauszene getan hat. Über
2000
Brauereien, eine lebhafteste Heimbraukultur, unzählige
Institutionen, Zeitschriften,
Bierwettbewerbe und Bierfestivals – eine
unbeschreibliche Fülle.
Sehr
förderlich ist die Offenheit vieler amerikanischer Brauer, um
Biere zu brauen,
die entweder auf der heimischen Braukultur (ja, die
gibt es!), der angelsächsischen,
der
deutschen, der belgischen oder einer „Freestyle“-Kultur beruhen.
Stellvertretend
für die Vielzahl der Biere ist hier ein
Etikett der Loast Coast Brauerei in Eureka, CA abgebildet. Wenn die
dort
einzige Brauerei sich von dem typischen Charakter des Ortes hätte
inspiriert
sein sollen, dann müsste eigentlich etwas Fischerei-typisches auf
dem Etikett
sein müssen. Allerdings ist es hier ein lokaler Künstler, der
hier seine
Zeichenart preisgibt. Als Nebenbemerkung sei erwähnt, dass es auch
in Belgien
(wie sicherlich bekannt) eine lebhafte Comic-Kultur gibt. Somit
existieren auch
eine Reihe von comic-künstlerischen Etiketten bei belgischen
Biermarken.
Darstellung von Bier in der
Zukunft
Hier einige
Anregungen für stilistische Elemente und Umfeld
der Darstellung von Bier. Prinzipiell gilt gute Qualität der
Photos -
Schnappschuss- oder Urlaubsphoto-Qualität wirkt sehr negativ.