KGB-LogoKAMPAGNE  FÜR  GUTES  BIER
Die Verbraucherinitiative für mehr Biervielfalt
FACHWELT
DER VEREIN
VERBRAUCHER
FACHWELT
START


DIE BIERKARTE


...schon mal eine Bierkarte in einer Gaststätte gesehen? Dies ist ein seltenes Phänomen, dabei wird der Wert eines Besuches in einer Gaststätte auch stark am Erlebnis (Kombination aus der Zufriedenheit aus Essen, Trinken, Ambiente und Geselligkeit) festgemacht. Ein wichtiger Teil dieses Erlebnisses ist eine optisch und inhaltlich ansprechende Speise- und Getränkekarte.
Eine gut gestaltete Speise- und Getränkekarte ist wortwörtlich das Aushängeschild einer Gastronomie und je ansprechender und klarer diese gerade inhaltlich gestaltet ist, um so mehr kann ein Verbraucher die Preis-Wertigkeit der Speisen und Getränke einschätzen.
Eine spezielle Bierkarte ist ein wirkliches Novum, denn Bier hat in der Gastronomie fast ausschließlich den Stellenwert des notwendigen, aber absolut unauffälligen Begleiter des Abends. Je unauffälliger, umso leichter haben es natürlich andere Getränke sich in Szene zu setzen, Mineralwasser wegen des Preises, Wein wegen der Imagesteigerung etc. Im extremen Fall halten sich die Gäste mit Ihren Getränkewünschen zurück, weil Ihnen die Auswahl an Getränken zu nichtssagend und damit in der Regel als nicht preisgerecht erscheint.

Weiter unten finden Sie ein Beispiel für  die inhaltliche Gestaltung einer Bierkarte.
Hierbei werden folgende Kriterien für einen interessanten Inhalt berücksichtigt:
  1. Voller Markenname,
  2. Bezeichnung der Biersorte – was für ein Bier ist dies eigentlich? Dabei sollte man schon ziemlich genau werden, z.B. ob es helles oder dunkles Hefeweißbier ist, bzw. auch ein Bockbier kann stark unterschieden werden. Dabei kommt es nicht zwingend auf die Genauigkeit, bzw. Anerkennung als echte Biersorte an, sondern darauf dem Kunden eine gute selbst beschreibende Kategorie anhand zu geben,
  3. Herkunft (Ort und Bundesland oder Region) – die Herkunft eines Produktes löst eine ganze Reihe von Assoziation aus. Hier besteht schon die Gefahr, dass auch negative Assoziation aufkommen, aber warum soll die Herkunft eines Weizenbieres verheimlicht werden – für uns Nordlichter muss ja nicht zwingend Herkunft Bayern erwähnt werden, Herkunftsangaben, wie Oberallgäu oder fränkische Schweiz wären z.B. viel hübscher und auch vielsagender und schließt ersteres definitiv mit ein.
  4. Alkoholgrad – seit geraumer Zeit als wichtiges (europäisch geregeltes) Qualitätsmerkmal für Flaschenbier vorgeschrieben. Der Alkoholgrad, egal wie differenziert man darüber denken mag, es ist neben dem Preis mit Abstand die zweitbeste Orientierungshilfe über die Güte eines Bieres. Erstaunlich eigentlich, dass es für die Flasche vorgeschrieben ist und für eine Getränkekarte nicht.
  5. Gebindeinhalt – Pflichtangabe
  6. Preis – Der Preis ist wohl die wichtigste Angabe für die meisten Verbraucher. An dieser Größe werden diverse Kriterien des Produkts gemessen, um dann immer wieder auf diese so abstrakte und für jeden Menschen unterschiedliche Entscheidung über Preis-Wertigkeit zu kommen. Der Preis wird sozusagen „horizontal“ verglichen – alle Angaben, die objektiv oder subjektiv und emotional in der Beschreibung des Bieres drinstecken (Gebindegröße, gezapft oder Flasche, Herkunft, Biersorte, Alkoholgrad und Hintergrundinformation zu dem Bier und der Brauerei) werden hier verglichen. Der Preis wird aber auch „vertikal“ verglichen, d.h. wie preis-wertig präsentiert sich dieses Bier im Vergleich zu den anderen Bieren oder Getränken in der Karte? Prinzipiell gilt sicherlich anzumerken, je mehr positive Aspekte über das Bier erwähnt werden und je schlüssiger die preislicher Hierarchie in der Bierkarte ist, um so harmonischer wird die Auswahl getroffen. Dabei ist aus Verbrauchersicht prinzipiell zu beachten, dass eine deutliche preisliche Unterscheidung zwischen den angebotenen Bieren gemacht werden sollte und diese Unterschiede objektiv belegt werden, denn so gewinnt der Preis den Informationsgehalt, den er eigentlich darstellen sollte: Die Zusammenfassung des Qualitätsniveaus eines Produkts.
  7. Verbale Beschreibung – hier ist ein wenig Fingerspitzengefühl gefragt, denn eine verbale Beschreibung kann leicht in eine Floskelsammlung ausarten. Die Beschreibung sollte objektive Information zu Brauerei und Bier so interessant verpacken, dass der Gast unweigerlich das Gefühl hat „das ist genau das Bier, welches ich haben möchte“, gerade wenn er es noch nicht kennt. Erwähnenswerte inhaltliche Punkte können dabei sein: Alter der Brauerei (wie alt oder wie jung!), Eigenschaften der Brauerei (traditionell, progressiv, regionale Verbundenheit, Schönheit der Umgebung, historisches Umfeld), Eigenschaften des Bieres (objektive geschmackliche und optische Kriterien, gewonnene Auszeichnungen, Zutaten, zu welchem Anlass vorgeschlagen etc.) oder Eigenschaften des Brauers (Brauerfahrung, Ausbildung, Progressivität etc.). Gute Beispiele, wie man Essen und Getränke interessant und inhaltlich fundiert beschreiben kann, finden sich in den Rundschreiben von Slow Food und den Prospekten von Jacques’ Wein Depot.
  8. Bild – ein Bild des Bieres würde den Eindruck auf jeden Fall noch abrunden.



Eine wirklich ansprechende Bierkarte
(Angaben sind fiktiv)



Leichte Weisse (Brauerei Hallhuber, Ihringdorf, Bayern) – 2,6% Alk. Vol. – 50 cl            2,10
Leicht und spritzig – genau das Richtige für einen Sommertag oder nach Ihrem Sportkurs. Die Brauerei Hallhuber hat mit diesem Weissbier ein ohnehin erfrischenderes Getränk noch besser gemacht. Kenner entdecken einen Hauch von Grapefruit.
Dieses Bier ist übrigens ein sogenanntes Zweitbier, denn in der Läuterphase im Brauprozess wird aus dem ersten Abzug das Weizenstarkbier der Brauerei hergestellt. Aus den Nachgüssen wird der verbleibende Extrakt aus dem Malz gelöst und ein separates leichteres Bier, die Leichte Weisse gemacht.


Kellerbier (Brauerei Hübsch, Seezenstedt, fränkische Schweiz) – 5,1% Alk. Vol. – 50 cl  2,50
Kellerbier oder genauer ein ungespundetes Kellerbier ist eine wahre fränkische Spezialität. Die Lagerphase für ein Bier ist maßgeblich für den Druckaufbau, bzw. den CO2-Gehalt im Bier notwendig. Der Druck wird durch den Spundapparat geregelt und bei einer niedrigen Einstellung wird demzufolge auch ein niedriger CO2-Gehalt im Bier ermöglicht.
Das Ergebnis ist ein sanftes, fast cremiges Bier.


Alt Spezial (Brauerei Mehrige, Düsseldorf, NRW) – 6,5% Alk. Vol. – 33 cl                        2,60
Hier hat der Braumeister abseits von allen Konventionen aus einem traditionellen Rezept eine üppigere Variante erschaffen. Mal erkoren für das 125-jährige Gründungsfest der Brauerei, hat der Brauer mit der fast ausgestorbenen Brautechnik „Hopfenstopfen“, wo ein „Säckel“ Hopfen in das bereits fertiggebraute Bier „gestopft“ wird, ein unvergleichlich würziges Hopfenaroma geschaffen. Die Hopfenwürze wird durch einen höheren Malzeinsatz und eine leichte Restsüße angenehm ausbalanciert.


Weisseis (Brauerei Rothen, Willingen, Baden-Württemberg) – 7,8% Alk. Vol. – 33 cl       3,10
Die Brauerei Rothen ist eine erst 1995 gegründete Kleinbrauerei mit einem derzeitigen Ausstoß von 11.000 HL pro Jahr. Die Brauerei hat sich auf die Herstellung von Starkbieren spezialisiert und bedient neben einer langsam aufblühenden nationalen Nachfrage nach stärkeren Spezialitäten u.a. die Spitzengastronomie in England, Belgien und den U.S.A.
Das Weisseis ist eine Kreation speziell für die Fastenzeit und mit seiner spritzig komplexen Art eine perfekte Kombination für den angehenden Frühling – wärmend für die letzten Tage des Winters und „perlig“ wie die ersten Frühlingstage.