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KAMPAGNE
FÜR GUTES BIER
Die
Verbraucherinitiative für mehr Biervielfalt
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FACHWELT
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Hopfen
Vorab
möchten wir dem Hopfenforschungszentrum in
Wolnzach für einen aufschlußreichen Dialog und einer Reihe
von
Informationsmaterialien, inkl. Hopfenproben danken. Die meisten der
hier
folgenden Inhalte zum Thema Hopfen entstammen diesem Dialog. Einige
Informationen aus dem
Lehrbuch der Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei, Berlin (VLB) Technologie
Brauer und Mälzer (Kunze)
ergänzen dieses. Eine weiterer Teil entstammt einigen U.S.
amerikanischen Online-Quellen zum Thema Hopfen und dessen Einsatz bei
Bier.
Bildnachweis: Die hier dargestellten Bilder entstammen der WebSite der
deutschen Hopfenverwertungsgenossenschaft e.G. (www.hvg-germany.de).
Historisch
Hopfen hat keine
lange Historie in der Anwendung als Bierzutat.
Unterstützt von der Einführung des Deutschen Reinheitsgebots
in 1516 wurde es im Rahmen dieses Regelwerks als maßgebliche
Zutat, neben Malz und Wasser etabliert. Allerdings erst mit
der Züchtung von minderbitteren, d.h. geschmacklich breit
einsetzbaren
Hopfensorten vor ca. 200 Jahren kam der Durchbruch. Bis zu diesem
Zeitpunkt wurden neben Hopfen eine Reihe von Gewürzen für die
Bierherstellung genutzt (s. dazu den Beitrag Bier und Gewürze
unter http://www.kgbier.de/BierWuerze.html).
Heutzutage
existiert fast nur noch Hopfen neben den Grundzutaten Malz,
Wasser (und Hefe) als relevante Zutat im Bier. Ausnahmen an
natürlichen Zutaten existieren z.B. nur bei einigen belgischen
Brauereien, die Gewürze einsetzen und möglicherweise bei
bierähnlichen Getränken einiger traditioneller Völker.
Anbaugebiete
Die drei
bedeutenden Anbauregionen sind 1. Bayern (die sog. Hallertau
u.a.), 2. der Nordwesten der U.S.A. (Washingtons Yakima Valley) und 3.
die Tschechische Republik.
Bayern
und die
Tschechische Republik sind bedeutend für sog.
Aromasorten, das Yakima Falle für sog. Bittersorten. Nach Aussage
des Hopfenforschungszentrum
bieten die Gebiete
in Bayern qualitativ gesehen
bessere Anbaubedingungen als das Anbaugebiet in den U.S.A. Hopfen ist eine
"Auwaldpflanze" - in den deutschen Anbaugebieten scheinen hier
bessere Anbaubedingungen zu herrschen.
Erntemenge
in
Zentner
Zahlen stammen
aus 1991 und sollen lediglich
einen
Eindruck der Verhältnisse darstellen
Land
|
Aromasorten
|
Bittersorten
|
Deutschland
|
425.039
|
302.852
|
U.S.A.
|
197.899
|
429.469
|
Tschech.
Rep. + Slowakei
|
220.140
|
-
|
Ukraine
|
108.602
|
12.518
|
England
|
43.633
|
76.703
|
ex-Jugoslawien
|
76.420
|
16.980
|
Polen
|
47.495
|
5.120
|
Australien
|
1.916
|
40.034
|
| Spanien |
-
|
38.408
|
andere
Länder
|
23.913
|
40.693
|
Hopfen
und dessen Bedeutung für das Bier
Hopfen hat
verschiedene Funktionen für das Bier. In erster Linie
ist er ein geschmacklicher Träger. Vornehmlich kommt Hopfen zum
Einsatz, um eine Grundbittere (als ergänzendes geschmackliches
Merkmale zu der Süße und der Säure) zu
gewährleisten. In zweiter Linie hat er eine würzende, bzw.
aromatisierende Funktion, somit ist es notwendig organoleptisch nach
Hopfenbittere (hauptsächlich Geschmack) und Hopfenaroma
(hauptsächlich Geruch) zu unterscheiden - beides sind qualitative
Merkmale, die nicht miteinander verwechselt werden sollten.
Hopfen
weist
auch eine Reihe von Polyphenolen auf, die sich als ein
adstringierendes (zusammenziehendes, trockenes) Mundgefühl
äußern kann.
Verfahrenstechnisch
wird es in der Regel während der Kochphase der
Bierherstellung eingesetzt. Je früher es zum Einsatz vom Hopfen in
der Kochphase kommt, um so mehr wird die Wirkung der
Eiweißausfällung, d.h. der Abscheidung von
Eiweißstoffen aus der Bierwürze erzielt. Damit wird das
spätere Bier biologisch erheblich stabiler, d.h. haltbarer. Zudem
wird damit ein besserer Übergang von Bitterstoffen in die
Bierwürze ermöglicht. Andererseits verflüchtigen sich
viele Aromastoffe bei einer frühen Zugabe in der Kochphase.
Grundsätzlich sollten somit günstigere Bittersorten
früher und
höherwertigere Aromasorten später
in der
Kochphase der Bierwürze beigegeben werden.
Hopfensorten und
deren Charakteristika
Die Hopfensorten
teilen sich in zwei Gruppen auf: Aromasorten und
Bittersorten.
Bittersorten
sind, wie die Bezeichnung schon nahe legt, geeignete
Sorten, um eine Grundbittere im Bier zu gewährleisten.
Maßgeblich ist hier
der Anteil an sog. Alphasäuren im Hopfen für die Bittere im
Bier. Das
Qualitätskriterium Bittereinheiten (BE) im Bier lässt sich
aus dem
Anteil an Alphasäure pro Liter ableiten, wobei z.B. 32 mg
Alphasäure pro Liter 32
Bittereinheiten entsprechen.
Übliche
Bittereinheiten für verschiedene Biersorten sind:
Biersorte
|
BE
|
Weizenbier
|
14-20
|
Bockbier
|
19-23
|
Märzen
|
20-25
|
alkoholfreies
Bier
|
20-28
|
Export
|
22-30
|
Pilsner
|
28-40
|
(s.
dazu auch
die Angaben zu Bittereinheiten bei den Biersortenbeschreibungen auf
dieser WebSite unter
http://www.kgbier.de/Biersorten_Einfuehrung.html)
Anm: Die Angaben entstammen dem erwähnten Lehrbuch aus 1991. Im
Rahmen von jährlichen Auswertungen der VLB wird allerdings
festgestellt, dass sich die Bittereinheiten von Jahr zu Jahr stetig
verringern. Im Sinne einer verbraucherkritischen Betrachtung, was ein
("mein") Bier darstellen sollte, kann es erheblich sein, ob z.B. ein
heutiges Pilsner immer noch dem entspricht, was es mal war und was ich
davon erwarte.
Aromasorten
leiten ihren Namen aus der Qualität der
aromafördernden Substanzen ab. Maßgeblich ist dabei die
Einstufung der Hopfensorten nach sog. Aromapunkten, die von 0 bis max.
30 reichen. Die Regeln der Vergabe von Aromapunkten basiert auf
Kriterien, wie Reinheit, Feinheit und Intensität des Aromas. Die
sog. Bonitierung, d.h. die Ermittlung der Güte des Aromas, bzw.
die Höhe der
Aromapunkte wird sensorisch, d.h. geruchlich durch Hopfenfachleute
ermittelt. Ein neueres Schema der Ermittlung der
Aromaqualität basiert auf den drei Qualitätskriterien a.
Harmonisch (vs. nicht harmonisch), b. Voll (vs. Leer) und c. Mild (vs.
stechend),
wobei für jedes Kriterium max. 10 Punkte vergeben werden
können.
Siehe zu
beiden
Qualitätsbewertungen die folgende Tabellen.
Hochfeine
Aromasorten
Dies sind Sorten des sog. "Saazer Formenkreis" (Saazer,
Spalter und Tettnanger) und Sorten stabil über 26 Aromapunkte
(Nummer
in Klammer: Einstufung der Wertigkeit durch den
Hopfenforschungszentrums, Wolnzach)
Hallertauer
Mittelfrüher (1)
|
Sortentypus
|
Alphasäure
in %
|
Polyphenole
in%
|
Aromaöle
in %
|
Aromapunkte
|
kg
Ertrag / HA |
Preisindex
|
| Hochfein |
3,0
- 5,5
|
4,0
- 5,0
|
0,7
- 1,3
|
26
|
1.250
|
550
|
Blumig
|
Citrus
|
Fruchtig
|
Johannisbeere
|
Süßlich
|
Würzig
|
Harmonisch
|
Voll
|
Mild
|
2
|
3
|
0
|
0
|
1
|
6
|
10
|
9
|
9
|
Hallertauer
Tradition (2)
|
Sortentypus
|
Alphasäure
in %
|
Polyphenole
in% |
Aromaöle
in %
|
Aromapunkte
|
kg
Ertrag / HA |
Preisindex
|
| Hochfein |
4,0
- 7,0
|
4,0
- 5,0
|
0,5
- 1,0
|
26
|
1.850
|
360
|
Blumig
|
Citrus
|
Fruchtig
|
Süßlich
|
Würzig
|
|
Harmonisch
|
Voll
|
Mild
|
3
|
3
|
1
|
0
|
1
|
5
|
9
|
9
|
9
|
Spalter
|
Sortentypus
|
Alphasäure
in %
|
Polyphenole
in% |
Aromaöle
in %
|
Aromapunkte
|
kg
Ertrag / HA |
Preisindex
|
| Hochfein |
2,5
- 5,5
|
5,0
- 6,0
|
0,5
- 0,9
|
27
|
1.200
|
-
|
Blumig
|
Citrus
|
Fruchtig
|
Johannisbeere
|
Süßlich
|
Würzig
|
Harmonisch
|
Voll
|
Mild
|
3
|
1
|
2
|
0
|
1
|
2
|
9
|
9
|
9
|
Tettnanger
|
Sortentypus
|
Alphasäure
in %
|
Polyphenole
in% |
Aromaöle
in %
|
Aromapunkte
|
kg
Ertrag / HA |
Preisindex
|
| Hochfein |
2,5
- 5,5 |
5,0
- 6,0 |
0,5
- 0,9 |
-
|
1.300
|
-
|
Blumig
|
Citrus
|
Fruchtig
|
Johannisbeere
|
Süßlich
|
Würzig
|
Harmonisch
|
Voll
|
Mild
|
6
|
1
|
3
|
0
|
3
|
4
|
10
|
10
|
9
|
Spalter Select
|
Sortentypus
|
Alphasäure
in %
|
Polyphenole
in% |
Aromaöle
in %
|
Aromapunkte
|
kg
Ertrag / HA |
Preisindex
|
| Hochfein |
3,0
- 6,5
|
4,0
- 5,0
|
0,6
- 0,9
|
26
|
1.900
|
-
|
Blumig
|
Citrus
|
Fruchtig
|
Johannisbeere
|
Süßlich
|
Würzig
|
Harmonisch
|
Voll
|
Mild
|
3
|
1
|
2
|
0
|
1
|
5
|
9
|
9
|
9
|
Saphir
|
Sortentypus
|
Alphasäure
in %
|
Polyphenole
in% |
Aromaöle
in %
|
Aromapunkte
|
kg
Ertrag / HA |
Preisindex
|
| Hochfein |
2,0
- 4,5
|
4,0
- 5,0
|
0,8
- 1,4
|
27
|
1.750
|
-
|
Blumig
|
Citrus
|
Fruchtig
|
Johannisbeere
|
Süßlich
|
Würzig
|
Harmonisch
|
Voll
|
Mild
|
4
|
3
|
4
|
0
|
2
|
5
|
10
|
10
|
9
|
Smaragd
|
Sortentypus
|
Alphasäure
in %
|
Polyphenole
in% |
Aromaöle
in %
|
Aromapunkte
|
kg
Ertrag / HA |
Preisindex
|
| Hochfein |
4,0
- 6,0
|
4,0
- 6,0
|
0,4
- 0,8
|
-
|
1.850
|
-
|
Blumig
|
Citrus
|
Fruchtig
|
Johannisbeere
|
Süßlich
|
Würzig
|
Harmonisch
|
Voll
|
Mild
|
1
|
1
|
3
|
0
|
3
|
7
|
6
|
9
|
2
|
Feine Aromasorten
(stabil zwischen 24 und 26 Aromapunkte)
Hersbrucker
Spät
|
Sortentypus
|
Alphasäure
in %
|
Polyphenole
in% |
Aromaöle
in %
|
Aromapunkte
|
kg
Ertrag / HA |
Preisindex
|
| Fein |
1,5
- 4,0
|
5,0
- 6,0
|
0,5
- 1,0
|
25
|
1.700
|
320
|
Blumig
|
Citrus
|
Fruchtig
|
Johannisbeere
|
Süßlich
|
Würzig
|
Harmonisch
|
Voll
|
Mild
|
2
|
1
|
1
|
0
|
1
|
4
|
9
|
7
|
8
|
Perle
|
Sortentypus
|
Alphasäure
in %
|
Polyphenole
in% |
Aromaöle
in %
|
Aromapunkte
|
kg
Ertrag / HA |
Preisindex
|
| Fein |
4,0
-9,0
|
3,0
- 5,0
|
0,5
- 1,5
|
26
|
1.800
|
-
|
Blumig
|
Citrus
|
Fruchtig
|
Johannisbeere
|
Süßlich
|
Würzig
|
Harmonisch
|
Voll
|
Mild
|
6
|
1
|
2
|
0
|
3
|
5
|
9
|
9
|
8
|
Opal
|
Sortentypus
|
Alphasäure
in %
|
Polyphenole
in% |
Aromaöle
in %
|
Aromapunkte
|
kg
Ertrag / HA |
Preisindex
|
| Fein |
5,0
- 8,0
|
3,0
- 5,0
|
0,8
- 1,3
|
|
1.850
|
-
|
Blumig
|
Citrus
|
Fruchtig
|
Johannisbeere
|
Süßlich
|
Würzig
|
Harmonisch
|
Voll
|
Mild
|
0
|
1
|
1
|
0
|
2
|
7
|
4
|
9
|
2
|
Hochalpha-Sorten (mehr als 12 %
Alphasäure)
Hallertauer Taurus
(1)
|
Sortentypus
|
Alphasäure
in %
|
Polyphenole
in% |
Aromaöle
in %
|
Aromapunkte
|
kg
Ertrag / HA |
Preisindex
|
| Hochalpha |
12,0
- 17,0
|
3,0
- 4,0
|
0,9
- 1,4
|
23
|
1.850
|
ca.
450
|
Blumig
|
Citrus
|
Fruchtig
|
Johannisbeere
|
Süßlich
|
Würzig
|
Harmonisch
|
Voll
|
Mild
|
1
|
0
|
3
|
5
|
3
|
2
|
4
|
9
|
2
|
Hallertauer Magnum
(2)
|
Sortentypus
|
Alphasäure
in %
|
Polyphenole
in% |
Aromaöle
in %
|
Aromapunkte
|
kg
Ertrag / HA |
Preisindex
|
| Hochalpha |
11,0
- 16,0
|
2,0
- 3,0
|
1,6
- 2,6
|
22
|
2.000
|
ca.
450
|
Blumig
|
Citrus
|
Fruchtig
|
Johannisbeere
|
Süßlich
|
Würzig
|
Harmonisch
|
Voll
|
Mild
|
1
|
2
|
2
|
1
|
2
|
3
|
7
|
9
|
0
|
Hallertauer Merkur
(3)
|
Sortentypus
|
Alphasäure
in %
|
Polyphenole
in% |
Aromaöle
in %
|
Aromapunkte
|
kg
Ertrag / HA |
Preisindex
|
| Hochalpha |
10,0
- 14,0
|
4,0
- 5,0
|
1,4
- 1,9
|
22
|
2.000
|
ca.
450
|
Blumig
|
Citrus
|
Fruchtig
|
Johannisbeere
|
Süßlich
|
Würzig
|
Harmonisch
|
Voll
|
Mild
|
2
|
2
|
2
|
0
|
4
|
4
|
6
|
9
|
2
|
Herkules
Zuchtstamm 95-94-816
|
Sortentypus
|
Alphasäure
in %
|
Polyphenole
in% |
Aromaöle
in %
|
Aromapunkte
|
kg
Ertrag / HA |
Preisindex
|
| Hochalpha |
12,0
- 17,0
|
3,0
- 4,0
|
1,6
- 2,4
|
-
|
2.300
|
-
|
Blumig
|
Citrus
|
Fruchtig
|
Johannisbeere
|
Süßlich
|
Würzig
|
Harmonisch
|
Voll
|
Mild
|
0
|
0
|
1
|
2
|
0
|
7
|
2
|
9
|
1
|
Bittersorten
(zwischen 8 und 12% Alphasäure)
Nugget
|
Sortentypus
|
Alphasäure
in %
|
Polyphenole
in% |
Aromaöle
in %
|
Aromapunkte
|
kg
Ertrag / HA |
Preisindex
|
| Bitter |
9,0-
13,0
|
3,0
- 4,0 |
0,9
- 1,3
|
19
|
2.200
|
380
|
Blumig
|
Citrus
|
Fruchtig
|
Johannisbeere
|
Süßlich
|
Würzig
|
Harmonisch
|
Voll
|
Mild
|
1
|
0
|
6
|
0
|
4
|
3
|
6
|
7
|
3
|
Northern
Brewer
|
Sortentypus
|
Alphasäure
in %
|
Polyphenole
in% |
Aromaöle
in %
|
Aromapunkte
|
kg
Ertrag / HA |
Preisindex
|
| Bitter |
6,0
- 10,0
|
3,0
- 4,0
|
1,0
- 1,6
|
-
|
1.600
|
ca.
280
|
Blumig
|
Citrus
|
Fruchtig
|
Johannisbeere
|
Süßlich
|
Würzig
|
Harmonisch
|
Voll
|
Mild
|
2
|
2
|
3
|
0
|
1
|
5
|
7
|
9
|
6
|
Weiterhin
existiert noch die Kategorie "Sonstige Hopfensorten" für Sorten,
die nicht in die oben genannten Schemata passen.
Informationen
über den Einsatz von Hopfen im Bier
Folgend
sind einige Informationen über den Einsatz von Hopfen im Bier
zusammengetragen. Hier, und wie durchweg üblich auf dieser
WebSite,
geht es um Informationen zu den geschmacklichen
Eigenschaften von
Hopfen und um eine Idee davon zu bekommen, welche Hopfensorte für
welche Art von Bier besonders geeignet scheint.
Quellen für diesen
Abschnitt:
http://realbeer.com/hops/aroma.html,
http://ourworld.compuserve.com/homepages/wrucksterpage/hops.htm,
http://beeradvocate.com/beer/101/hops.php
Auszug
aus: The Essential Oil of
Hops: Hop Aroma and Flavor in Hops and Beer
"Die
weibliche Blüte der Hopfenpflanze (Humulus Lupulus) ist seit
langem ein
guter Freund der Brauer auf der ganzen Welt. Abhängig von der Art
des
Bieres, kann Hopfen durch geschmackliche Komponenten, wie Bittere,
Hopfengeschmack und –aroma zu einem ausgewogenen Produkt beitragen. Es
ist durchaus gut dokumentiert, wie durch die Isomerisierung der
Alphasäuren die Bittere im fertigen Bier entsteht, allerdings
fehlt es
noch in vielfacher Hinsicht an Erkenntnissen, wie die essentiellen,
sprich flüchtigen Hopfenöle den Biergeschmack und dessen
Aroma
bestimmen. [...]
[...] Es beginnt immer mit der
ganzen unverarbeiteten Hopfenblume. Hopfen wird 1x pro Jahr geerntet,
dann verarbeitet, verpackt und kalt gelagert. Abhängig von der Art
der
Verarbeitung können unterschiedliche Produkte entstehen, so z.B.
Pellets Typ 100 (hoch verdichtete ganze Hopfenzapfen in ca. 15 Gramm
Einheiten), Pellets Typ 90 (pulverisierte ganze Hopfenzapfen in
Pellet-Form), sowie einer Anzahl von verarbeiteten und konzentrierten
Extrakten, bzw. Essenzen. In den meisten Fällen kommt es bei der
Verarbeitung zu Abstrichen gerade bei der Qualität der
Hopfenöle. [...]
Die wohl mit Abstand
üblichste
Form der Anwendung von Hopfen bei der Bierherstellung ist die Beigabe
des Hopfens zur Würze in der Kochphase. Wenn während der
frühen
Kochphase (d.h. 30 bis 120 Minuten vor dem Ausschlagen) beigegeben,
dann hat der Hopfen folgende vier Aufgaben: a. Beisteuerung von Bittere
durch die Isomerisierung der Alphasäuren, d.h. diese wandeln sich
zu
den stabileren und löslichen Iso-Alphasäuren, b. die Tannine
des
Hopfens helfen in der Extraktion von und Verbindung mit
unerwünschten
Eiweißen, c. Haltbarkeit des fertigen Bieres (durch die
antibakteriellen Eigenschaften des Hopfens) erhöht sich und d. die
Oberflächenspannung der Würze wird gesenkt, damit eine
lebhaftere und
intensivere Kochphase möglich wird. Späte Hopfengaben (d.h. 0
bis 30
Minuten vor dem Ausschlagen) tragen maßgeblich zum
Hopfencharakter des
Bieres bei, d.h. Hopfengeschmack und –aroma geht in die Würze,
bzw. in das Bier über. Eine weitere Methode um Hopfenöle zu
extrahieren
wäre die heiße Würze während des Ausschlagens
durch eine Hopfenschicht
durchfließen zu lassen. Weiterhin könnte man auch die
Methode des
Hopfenstopfens anwenden, wo der Hopfen, z.B. dem Bier in der
Gärphase
beigegeben wird, allerdings ist das geschmackliche Resultat bei dieser
„kalten“ Beigabe sehr anders, als wenn man den Hopfen der Würze
direkt
nach der Kochphase beigibt.
Die verschiedenen Extrakte und
Essenzen, die Brauer heutzutage zur Verfügung haben, erhöhen
auch die
Möglichkeiten Hopfencharakter zu erzeugen. Einige britische Brauer
haben z.B. die Methode des Hopfenstopfens aufgeben, bzw. durch die
Methode einer Beigabe von konzentriertem Hopfenöl nach der
Vergärung
ersetzt. Pures Iso-Alpha-Extrakt ermöglicht eine ähnliche
Flexibilität,
um die Bierbittere zu kontrollieren. In Kürze, der Hopfencharakter
wird
einerseits durch die Art des Hopfenprodukts, welches der Würze
oder dem
fertigen Bier beigegeben wird, bestimmt oder durch die
Anwendungsmethode. [...]
Es gibt zwei Gruppen von
Ölen,
die in den meisten Pflanzen gefunden werden können und zwar
abhängig von deren
Flüchtigkeit. Die nicht-flüchtigen Öle, so z.B. wie
flüssige Fette in
Nüssen, sind relativ nicht-flüchtig und tragen unwesentlich
zu einem
Aroma bei. Die flüchtigen Öle, auch als essentielle Öle
bezeichnet,
können leicht verdampft werden – deren Anwesenheit kann ganz
einfach
mit unserer Nase ermittelt werden. Wir alle kennen Parfum und
Gewürze,
die ja beide mit natürlichen oder synthetischen essentiellen
Ölen geradezu
vollgestopft
sind. Im Hopfen kommen gerade mal 0,5 bis 3% an
essentiellen Ölen in einem Hopfenzapfen vor, allerdings ist die
Wirkung
auf ein Bier enorm. Angenommen es werden ca. 350 gr. Hopfen pro 100
Liter Bier eingesetzt. Wenn nur 10% der Öle wirksam werden, dann
stellt der Gesamtanteil der Öle am Bier nur 0,001% dar. Nun stelle
man sich
vor, was denn das erste ist, was man bei einem Bier erkennt, welches
mit
Cascade Hopfen „hopfengestopft“ hergestellt wurde? Die massive blumige
Note kann unmöglich überrochen werden. [...]"
Auswahl
an Hopfensorten
Diese Auswahl an Hopfensorten ergänzt die oben erwähnten
Hopfensorten
und deren analytischen Eigenschaften. Hier wurde besonderer Augenmerk
auf geschmackliche, bzw. aromatische Merkmale, sowie deren Anwendung
bei Biersorten und –marken gelegt. Die Auflistung erfolgt alphabetisch:
Brewer's Gold
Dies ist ein englischer Hopfen
mit großem Bitterepotential und wird dort eingesetzt, wo eine
besondere
Bitterenote notwendig ist. Diese Sorte stellt oft die Grundbittere in
englischen Ales.
ca. 11,0% Alphasäure,ca.
5,0% Betasäure, 2,5% Aromaöle
U.S. amerikanisches Beispiel:
Pete’s Wicked Ale.
Cascade
Cascade ist eine
gezüchtete
Aromasorte und ist das erste kommerzielle Produkt des USDA-ARS
Zuchtprogramms. Züchtung erfolgte bereits in 1956, allerdings
kommerzielle Nutzung erst in 1972. Popularität erreichte diese
Sorte in
1975 mit ca. 13,3% der gesamten U.S. amerikanischen Erntemenge. Die
Kreuzung entstammt der englischen Sorte Fuggle mit einer
russischen-stämmigen männlichen Pflanze namens Serebrianka.
Dies ist eine sehr
populäre
U.S. amerikanische Hopfensorte mit moderater Bittere und einem
duftigen, blumigen Aroma. Cascade wird bevorzugt in stark gehopften
„West Coast“ Ales, die eine betonte Citrus-Note aufweisen sollen,
eingesetzt.
4,5 – 6,0% Alphasäure,
5,0 – 7,0% Betasäure, 2,0% Aromaöle.
Aromen: duftig,
kräuterig, würzig, citrus-artig
Haltbarkeit: schlecht
Chinook
Chinook ist eine Bittersorte
mit einigen Aromacharakteristika. Die Marktzulassung erfolgte im Mai
1985. Die Kreuzung entstammt der Sorte Petham Golding und der
männlichen Sorte USDA 63012.
Dies ist eine Hochalphasorte,
die einen wunderschönen kräuterigen, fast rauchigen Charakter
hat, wenn
sie in den letzten Minuten der Kochphase beigegeben wird oder in der
Methode Hopfenstopfen angewandt wird. Perfekt für den Einsatz bei
U.S.
amerikanischen Pale Ales, besonders denjenigen mit einer höheren
Stammwürze.
12,0 – 14,0% Alphasäure,
3,0 – 4,0% Betasäure.
U.S. amerikanisches Beispiel:
Sierra Nevada Celebration und Stout
Fuggle
Fuggle ist eine 1861
gezüchtete Aromasorte, die einer englischen Natursorte entstammt.
Der
Höhepunkt des Anbaus war 1949, als 78% der englischen Ernte auf
diese
Sorte fielen. Diese Sorte wird auch als steirischer Golding in
Slowenien angebaut. In den U.S.A. wird diese Sorte in Oregon und
Washington State angebaut.
Diese Sorte hat einen
einzigartigen Charakter, der so nicht in der U.S. amerikanischen
Version des Fuggles vorkommt.
Einsatz für Grundbittere
und als Aromakomponente (späte Hopfengabe und Hopfenstopfen)
für Mild Ales, Brown Ales und Stouts
3,8 - 5,5% Alphasäure,
1,5 – 2,0% Betasäure, 1,0% Aromaöle
Haltbarkeit: mittel bis
schlecht
Aroma: mild würzig
Englisches Beispiel: Old
Peculier
Galena
Galena ist eine
gezüchtete
Bittersorte, die 1968 aus einer offen Befruchtung von Brewers Gold mit
einer unbekannten (wilden?) Hopfensorte entstand. Der Anbau begann in
1978.
Galena ist die mildeste der
Hochalphasorten und überholte die Sorte Cluster als die inzwischen
am
meisten angebaute Hopfensorte in den U.S.A.
Die Bittere ist sauber und
ausgewogen. Die Sorte eignet sich gut für Grundbittere bei
vollmundigen Pale und Brown Ales, Stouts und Porter, aber auch
prinzipiell für die Grundbittere bei vielen anderen Biersorten.
12,5 - 14,0% Alphasäure,
7,5 - 9,0% Betasäure, 1,0% Aromaöle
Haltbarkeit: gut
Aromen: aggressiv und stechend
U.S. amerikanisches Beispiel:
Catamount Porter
Golding
Golding ist eine Sortengruppe,
die ursprünglich in England gezüchtet wurden. Diese Gruppe
hat sich mit
der Zeit geändert und vergrößert. Normalerweise werden
die Abwandlungen
nach den Dörfern in East Kent (z.B. Petham, Rothersham,
Canterbury,
Eastwell) oder nach den Hopfenbauern, die sie anbauten, benannt (z.B.
Amos’ Early Bird, Cobbs).
English Goldings, der in East
Kent angebaut wird, ist die Premiumsorte East Kent Golding und sollte
nicht mit der englischen Sorte Goldings verwechselt werden, die in
anderen Teilen von Kent, Worcestershire, Hampshire und Herefordshire
angebaut werden. Die Zuchtsorte, die in den U.S.A (Oregon und
Washington State) angebaut wird ist der Cantebury Golding.
Dies ist die wichtigste
englische Aromasorte. Unübertroffen in englischen Ales, auch gut
für
einen einzigartigen Charakter in untergärigen Bieren. Gut für
den
Einsatz für eine verhaltene Grundbittere, späte Hopfengabe
und
Hopfenstopfen.
4,0 – 6,0% Alphasäure,
2,0 – 3,0% Betasäure
Haltbarkeit: mittel
Aromen: würzig,
kandis-artig, mild, blumig und manchmal etwas vegetal.
Englisches Beispiel: Fullers
ESB
Hallertau Mittelfrüh
Hallertau Mittelfrüh ist
eine
Aromasorte, die einer deutschen Landsorte entstammt. Der Bezeichnung
weist auf den frühen Reifegrad der Sorte hin.
Besonders für
authentische europäische untergärige Biere geeignet.
3,5 - 5,5% Alphasäure,
3,5 – 5,5% Betasäure, 1,0% Aromaöle
Haltbarkeit: mittel bis
schlecht
Aroma: würzig
U.S. amerikanisches Beispiel:
Samuel Adams Lager
Mount Hood
Dies ist eine Aromavariation
der Hallertau Sorte mit einem feinen, würzigen Aroma und einer
sauberen
Bittere. Diese Sorte ist gut für untergärige Biere geeignet.
4,0 – 6,0% Alphasäure,
5,0 – 7,5% Betasäure
U.S. amerikanisches Beispiel:
Portland Ale
Northern
Brewer
Northern Brewer ist eine
gezüchtete Bittersorte, die 1934 in England aus der weiblichen
Canterbury Golding Pflanze und der männlichen Pflanze OB21
entstand.
Northern Brewer wurde öfters schon für Weiterzüchtungen
eingesetzt. Die
Zuchtsorte wird in England, Belgien, Deutschland und den U.S.A.
angebaut.
Diese Sorte ist
vollaromatisch, mit einem reichhaltigem, fast rauem Geschmack. Es
eignet sich für gute Schaumstabilität und für unter- und
obergärige
Biere, wie z.B. dunkle Ales, Steam Beer, Münchner und Porter
8,0 – 10,0% Alphasäure,
3,0 – 5,0% Betasäure, 1,5% Aromaöle
Haltbarkeit: mittel bis gut
Aromen: reichhaltig und
aggressiv, fast minzig
U.S. amerikanisches Beispiel:
Anchor Liberty (Grundbittere) und Anchor Steam (für Aroma?)
Nugget
Die Bittesorte Nugget wurde
1970 aus den Sorten USDA 65009 und USDA 63015M gezüchtet. Die
Grundsorten sind Brewers Gold, Early Green, Canterbury Golding etc.
Nugget eignet sich für
eine solide Grundbittere besonders bei dunklen Bieren. Sie weist eine
üppige würzige Note auf.
12,5 – 14,5% Alphasäure,
4,0 – 6,0% Betasäure
Haltbarkeit: schlecht
Aromen: üppig
kräuterig und würzig
U.S. amerikanisches Beispiel:
Sierra Nevada Porter
Perle
Perle ist eine
Aroma-Zucht-Sorte, die 1978 in Deutschland aus Northern Brewer
gezüchtet wurde. Der Anbau findet in Deutschland, Belgien und den
U.S.A. statt.
Perle ist eine Bittersorte,
mit einem sauberen, fast minzig angenehmen Aroma. Gut geeignet für
eine
prinzipielle Grundbittere, nicht geeignet für Pilsner. Einsatz
sollte
verhalten sein.
7,0 – 9,5% Alphasäure,
4,0 – 5,0% Betasäure
Haltbarkeit: schlecht
Aromen: angenehm, etwas
würzig
U.S. amerikanische Beispiele:
Ales der Brauerei Sierra Nevada
Saaz
Saazer Hopfen ist die
traditionelle Edelhopfensorte für authentische Pilsner Biere.
Saazer
ist besonders bekannt für deren feine, würzige, saubere
Bittere.
3,0 – 6,0% Alphasäure,
max. 5% Betasäure, 1,0% Aromaöle
Haltbarkeit: mittel bis
schlecht
Aromen: sehr milde würzig
Beispiel: Pilsner Urquell
Spalt Select
Spalt Select ist eine in
Deutschland gezüchtete Aromasorte, die ab den 1980ern kommerziell
angebaut wird. Anbau geschieht in den deutschen Regionen Hallertau und
Spalt, sowie in den U.S.A. in Washington State.
Dies ist eine edle Aromasorte
mit einer gradlinigen Bittere und einem klassischem Aroma, gut geeignet
für untergärige deutsche Biere und Pilsner.
3,5 – 5,5% Alphasäure,
3,0 – 4,5% Betasäure
Tettnang
Tettnanger Hopfen ist eine
Aromahopfen aus der deutschen Gegend Tettnang. Sie entstand aus einer
Landsorte. In den U.S.A. wird sie in Oregon und Washington State
angebaut. Dies ist eine edle Hopfensorte, bestens geeignet für
edle
untergärige Biere und Weizenbiere, bzw. ein breit einsetzbarer
Hopfen
mit mittlerer Bittere und einem milden Geschmack. Dieser Hopfen
unterstützt den malz-getreidigen Charakter aller Biere. Exzellent
für
eine späte Hopfengabe. Deutscher Tettnanger hat eine feine, klare
Note,
die im in den U.S.A. angebauten Tettnanger nicht zu finden ist.
4,0 – 5,0% Alphasäure,
3,5 – 4,5% Betasäure, 1,0% Aromaöle
Haltbarkeit: mittel bis
schlecht
Aroma: mild
Beispiele: verschiedene
Festbiere
US Fuggle
US Fuggle eine geschmackliche
milde Version dieser englischen Hopfensorte. Anbau in Oregon. Aroma ist
duftig und holzaromatisch. Milder als der englische Fuggles. Diese
Hopfensorte ist sanft und rund.
Durchschnittlich 3,9%
Alphasäure.
Willamette
Willamette ist eine
Aromasorte, die in den 1970ern aus der englischen Sorte Fuggle
hervorging. Dies ist eine populäre Hopfensorte, die 1998 18% der
gesamten U.S. amerikanischen Hopfenernte ausmachte. Der Anbau findet in
Oregon und Washington State statt.
Willamette hat eine
würzige, an Holz erinnernde Art. Bestens geeignet für
aromatische Ales und untergärige Biere.
4,0 – 6,0% Alphasäure,
3,5 – 4,5% Betasäure, 2,0% Aromaöle
Haltbarkeit: mittel
Aroma: würzig
U.S. amerikanisches Beispiel:
Ballard Bitter
Heutiger
Status
von Hopfen
(kritische
Auseinandersetzung)
Ein Dialog
zwischen dem Hopfenforschungszentrum und uns endete einst auf dem
Zitat,
welches aus
einem Treffen von Brauereivertretern gegenüber Hopfenherstellern
stammt:
"Billig muß es sein". Dieses sog. Killer-Argument hat im
extremsten Fall eine Reduzierung auf nur eine Funktion von Hopfen zur
Folge: "Alphasäure-Lieferung". Allerdings ist der Wunsch des
Kostencontrolling der Brauereien schwer zu erfüllen, da Hopfen als
Naturprodukt oft extremen Preisschwankungen ausgesetzt ist, welche man
mit langfristigen Lieferverträgen und der Verarbeitung zu
Hopfenprodukten, wie Pellets und Sirup (um die Haltbarkeit zu
verlängern) versucht zu kontrollieren.
Die
Forschung
scheint sich in der letzten Zeit viel mit der Nachfrage
nach krankheitsresistenten Hochalphasorten mit hohen
Hektarerträgen beschäftigt zu haben, vorallendingen um wohl
weniger "leistungsfähigere" Bittersorten abzulösen.
Einhergehend
hat
eine Ausweitung der Ermittlung von aromatischen
Qualitätskriterien stattgefunden, so wurde 2004 die Einteilung
nach Aromapunkten (0 bis 30) in die Aufteilung dieser drei
Qualitätskriterien überführt: Harmonisch, Voll und Mild
(Erklärung: s. oben). Zusätzlich wurde
eine eingehende sensorische Bonitierung von Hopfensorten nach typischen
Aromakriterien eingeführt. Zu diesen gehören: Blumig, Citrus,
Fruchtig, Johannisbeere, Süßlich, Würzig.
Hopfen
nur als
Lieferant von Grundbittere im Bier zu sehen, wäre
allerdings kurzsichtig. So gibt es doch eine Reihe von
Möglichkeiten, um Hopfen mehr Gewicht in der qualitativen
Differenzierung von Bier zu geben. Hier einige Beispiele:
- Einsatz bei ökologisch
zertifizierten Bieren: Dies ist wohl
die bekannteste und in Deutschland am breitesten praktizierte Form der
qualitativen Differenzierung
- Neue Biersorten: Biersorten werden
hauptsächlich nach Menge
des Malzeinsatzes (d.h. faktisch Alkoholgrad), Farbe und Art der
Herstellung eingeteilt, wobei der Einsatz von Hopfen bestenfalls eine
ergänzende/unterstützende Rolle spielt. Es gibt
tatsächlich keine Biersorte, die sich maßgeblich nach dem
Einsatz der
Hopfensorte oder überhaupt nach dem Einsatz von Hopfen definiert -
hier wäre noch ein weites Feld für Entdeckungen
- Charakter bekannter Biersorten: Es gibt
einige Beispiele
für enge Assoziationen von Bieren, bzw. Biersorten mit
Hopfensorten, z.B. der traditionelle Einsatz von Spalter Hopfen
bei Düsseldorfer Altbier oder Cascade-Hopfen bei modernen West Coast U.S. amerikanischen
Ales. In dem Sinne könnte
es sinnvoll
sein anhand der Aromaeigenschaften der Hopfensorten sich über die
Charaktereigenschaften bekannter Biersorten Gedanken zu
machen - welche Hopfensorte passt wirklich zu einer bekannten
Biersorte? Selbst so etwas banales wie eine korrekte Höhe der
Bittereinheiten scheint gefährdet, denn wie oben schon
erwähnt hat die VLB nach
jahrelangen
Ermittlungen der Bittereinheiten (z.B. bei der Sorte Pilsner)
festgestellt, dass eine stetige Verringerung der Bittereinheiten
geschieht. Dies mag
zeitgemäß sein, um einem massenpopulären Geschmack zu
entsprechen, aber es verfälscht, bzw. wortwörtlich
verwässert den Charakter bestehender Biersorten.
- Aroma des Hopfens: Es sollte erheblich
mehr Gewicht auf die
Aroma-spendende Komponente des Hopfens gelegt werden, indem eine
bewußt späte Hopfengabe in der Bierherstellung
gefördert wird, bzw. zu einem qualitativen Kriterium avanciert.
- Stärkere
Qualitätsdifferenzierung: Ist es allen
Brauereien egal, welchen Bitterhopfen oder welchen Aromahopfen sie
nehmen? Jegliche Mechanismen zur Qualitätsdifferenzierung
von Hopfen sollten genutzt werden. Durch die starken Schwankungen in
der
Erntemenge, schwankendes Angebot und Nachfrage und mangelnde
Auseinandersetzung, welches Qualitätskriterium objektiv zu einer
höheren Wertigkeit führt, ist eine Bestimmung der Wertigkeit
des Hopfens nach dessen Preis nur eingeschränkt möglich. Die
Einführung eines System eines E.U. geschützten Regionalen
Herkunftssystems wäre sinnvoll. Im Rahmen eines solchen Systems
könnte Qualität besser differenziert werden. Gedanken dazu
befinden sich weiter unten.
Appendix
|
Entwurf
für die Klassifizierung von Hopfensorten
A.
Qualitätskriterien
- Region/Lage: Wasserspeicherkapazität
des Bodens, Windschutz, Ausrichtung nach Sonne (z.B. Begünstigung
der Entwicklung bei bestimmter Himmelsrichtung), Temperaturunterschiede
Nacht zu Tag etc.
- Anbau-, bzw.
Anzuchtbedingungen: Pflanzungstiefe,
Gerüstbau, Regeln der Pflege im Wachstum, Krankheiten
- Ernte und erste
Verarbeitung: Wassergehalt,
Blatt/Stengelanteil, Sortenreinheit, Krankheiten
- Weiterverarbeitung: Wie wird Hopfen
weiterverarbeitet und gibt es hier qualitative Unterschiede bei der
Weiterverarbeitung?
- Alpha-Säure-Gehalt,
Co-Humulon-Gehalt
- Aromapunkte,
ätherische Öle
- Schädlingsresistenz
B.
Grundsätze der Klassifizierung
Grundsätzlich
gilt hier, dass mit höherer Klasse auch die Anforderung an die
Qualität steigen müssen. Es gibt ja bereits flexibilisierte
Systeme der Entlohnung bei besserer Qualität, sprich
sorgfältigerer Arbeit (Zu- und Abschläge bei Sortenreinheit,
Fremdkörpergehalt etc.), allerdings scheint ein wirklicher Anreiz
nur gegeben, wenn man auch ein konkretes sich wirklich lohnendes Ziel
vor Augen, z.B. das Erreichen einer höheren Kategorie, hat.
Knackpunkt an dieser Klassifizierung ist sicherlich die objektive
Bewertung des Hopfens, so ist der Einsatz des Scanalyzer wichtig, denn
die Ermittlung von Aromapunkten müsste neben der sensorischen
Ermittlung auch analytisch nachvollziehbar sein. Hier die Eckpunkte
1.
Etablierung einer qualitativen Hierarchie
2.
Abstufung und Hochstufung muss möglich sein
3.
Neueinstufung muss ebenfalls möglich sein, aber erschwert
4.
Ein mögliches Vorbild: Klassifizierungsschema Bordeaux Weine
In
der Weinwelt ist Bordeaux ein strikt hierarchisches System, was sich
vornehmlich erst mal nach Lage definiert. So gibt es abhängig von
der Lage die Möglichkeit 1er oder Grand Cru Classée (z.B.
Mouthon-Rothschild Pauillac AC), über 3ieme Cru Classée
(z.B. La Lagune Haut-Medoc AC), über Cru Bourgeois (z.B. Chateau
Chasse Spleen Moulis AC) bis hin zu Medoc AC, Bordeaux Superieur und
letztlich „der große Pool“ Bordeaux AC. Insgesamt gibt es 10
Klassifizierungen, die alle auf Lagen, aber auch auf strikte Regeln der
Ernte etc. basieren. So darf z.B. in Pomerol AC nur von Hand geerntet
werden. Abhängig von Erfüllung der Regeln und der
nachweislich mindestens geforderten Qualität wird man entsprechend
eingeordnet. Abstieg geht schnell, aber das Erreichen einer
höheren Kategorie ist sehr schwer.
C.
Klassen (qualitativ aufsteigend)
1.
Bittersorten
a.
Deutschlandweite Bittersorte
b.
Regionale Bittersorten
c.
Unterscheidung nach bestimmten Qualitätsmerkmalen, mind.
Alphasäure
2.
Aromasorten
a.
Deutschlandweite Aromasorte
b.
Regionale Aromasorten
c.
Unterscheidung nach Qualitätsmerkmalen sieh unter Punkt A)
Hier
sollte eine differenzierte Unterscheidung in div. Unterkategorien
möglich sein, z.B. so ähnlich wie fein, bzw. hochfein, edel
(??)
D.
Beispiele für eine Klassifizierung
1.„Bei den
Bittersorten gestaltet sich die Einteilung recht einfach – Brewers Gold
wird als eine „Deutsche Bittersorte“ klassifiziert mit denkbar
niedrigen Anforderungen an die Qualität. Taurus und Magnum werden
als Qualitätsbittersorten etabliert... allerdings haben sich
bereits 20 Bauern im Jura zusammengeschlossen, die festgestellt haben,
dass u.a. ihr Böden gute Wasserspeicherkapazität haben und
somit eine überdurchschnittlich hohe Alphasäure dort
entsteht. Diese 20 Bauern verständigen sich auf rigidere
Auslesebedingungen und erarbeiten sich innerhalb von 3 Jahren die
Anerkennung einer eigenen Klassifizierung Bittersorte Jura.“
2.
„Bei den Aromasorten wird es ein wenig schwieriger. Es gibt vorab keine
Klassifizierung Deutsche Aromasorte, weil derzeit alle Aromasorten und
Regionen schon ein relativ hohes Niveau an Aromasorten ernten. Weiter
stellt man allerdings erhebliche Unterschiede in der Aromaqualität
der verschiedenen Regionen fest, was dazu führt, dass eine
eingehende Diskussion darüber geführt wird, ob man die
Aromasorten je nach Region nicht doch erheblich differenzierter sehen
sollte.“ Ferner wird überlegt, wie die seit 10 Jahren existierende
EU-weite Herkunftsbezeichnung (garantierte Ursprung) für die
höheren Klassifizierungen von Aromasorten systematisch eingesetzt
werden kann.
3.
„Es setzt ein großer Trend für Spezialitätenbiere ein,
die maßgeblich auf der traditionellen Art des „Hopfenstopfens“
basieren. Diese sich entwickelnde Biersorte setzt Forschungen über
differenzierte Rezepturen der Hopfengabe und die Neuentwicklung von
Hopfensorte in Gange, die bestimmten Geschmacksmustern entsprechen. Es
werden gerade Anforderungen der Anbauregion erarbeitet..."
|