Tradition hat einen
schönen Klang. Es weckt Emotionen der guten alten Zeit, birgt in
sich Sachen, die wir liebgewonnen haben und die sich nicht
verändern und uns in ihrer ungetrübten und etablierten Art
kontinuierlich begleiten.
Kultur
auf der anderen Seite ist lebhaft, umstritten, bezeichnet Wandel und
ständige Neuanpassung, ist aber auch Sinnbild für Pflege der
Umstände – kulturell und kultiviert zu sein sind hohe
persönliche Eigenschaften.
Tradition und Bier
Die kulturelle
Entwicklung in der Bierbranche präsentiert sich praktisch
zweigeteilt: Einerseits setzen viele kleine und mittelständische
Brauereien auf die Aussagekraft der Tradition. Der Einsatz von
Bügelverschlussflaschen ist wohl die prominenteste Form, um seine
Traditionsfähigkeit unter Beweis zu stellen. So sollen Emotionen
bei den Käufern geweckt werden, die Beständigkeit und
gewachsene Strukturen darstellen. Dies existiert im scharfen Kontrast
zu Brauereien, die vermeintlich schnelllebige Trends bedienen, um damit
ihre Innovationsfähigkeit unter Beweis zu stellen. Gerade die
Entwicklung der Biermischgetränke hat diese Zweiteilung sehr
offensichtlich dargestellt, die einen lehnen die Entwicklung
vollständig ab, weil sie der Geschwindigkeit der Entwicklung nicht
folgen können oder wollen oder Zweifel an der Langlebigkeit des
Trends haben. Die Konsequenz ist Rückzug in den vermeintlich
sicheren Hafen der Tradition. Die anderen lehnen die
Rückständigkeit ab und suchen ihr Heil darin trendbewusst zu
sein.
Tradition ist
Stillstand
Tradition ist
praktisch eine kulturelle Entwicklung, die sich irgendwann in der
Vergangenheit als optimal manifestiert
hat und dann keine weitere
Entwicklung erfahren hat. Als zwischenzeitlich unmodern verpönt
wird diese Erinnerung gerne wieder regelmäßig aktiviert, um
uns Halt in dem Bewährten zu vermitteln.
Glücklicherweise
ist dies nicht die Regel, denn wer möchte schon ein Auto mit dem
technischen Stand vor 20 Jahren fahren und trotz zeitloser
Jugendstilwohnung auf seinen DSL-Anschluss verzichten?
Tradition
ist der Sammelbegriff für Altes und Bewährtes und kann mit
Attributen wie schön, niedlich, kitschig beschrieben werden. Je
traditioneller Objekte werden, um so mehr entfernen sie sich von der
Realität und werden im besten Fall Anschauungsobjekt mit musealen
Charakter. Sie bieten Flucht aus dem Alltäglichen, regen zum
Schmunzeln an, sind unterhaltend, seltenst können sie dazu beitragen etwas für die
Gegenwart oder gar Zukunft zu lernen, außer man erkennt den
grundlegenden Charakter des Objekts und versteht das Umfeld in dem es
mal entstanden ist. Tradition transportiert einen Zustand der schon
lange nicht mehr aktuell ist und der durch dessen Einsatz nicht wieder
aktuell wird. Eine kuriose Ausnahme ist möglicherweise der
Retrotrend in dessen Fahrtwind praktisch tote Marken wie
Jägermeister, Bluna oder ähnliches wieder aufleben. Das
eingesetzte Umfeld ist allerdings trendig und nicht traditionell.
Kultur ist Gegenwart
Kultur ist z.B.
lebendig in Theater oder Kunst... Diese sind gute Beispiele, was es
bedeutet Leute der Gegenwart emotional zu erreichen. Basierend auf
bestehenden Konzepten und Methoden und Ansichtsweisen werden neue
geschaffen. Kultur ist Entwicklung und spiegelt mehr denn je den
Konflikt einer lebenden Gesellschaft wider. Kultur ist
allgegenwärtig, aber oft schwer zu begreifen, denn es fehlt die
zeitliche Distanz zu der Entwicklung. Kultur ist die treibende
Kraft, um Zeitgeist mit bestehenden Methoden zu verbinden, um Neues zu
erschaffen. Kultur ist aber auch die Verinnerlichung seiner Herkunft
und der ständige Abgleich mit sich selbst und der Umwelt mit dem
Ziel sich kontinuierlich zu verbessern.
Kultur
im Alltag
Kultur ist nicht nur
den schönen Künsten vorbehalten, sondern ist bei genauerem
Hinsehen auch integraler Teil unseres alltäglichen Lebens. Ein
typisches Beispiel sei mit der Mode genannt. Mode muss sich mehrmals im
Jahr neu erfinden, denn die Ansprüche der Konsumenten verlangen
ständig neue Formen, Farben und Kombinationen. Ferner ist Mode
Ausdrucksmittel verschiedener Sparten von Denkweisen, bzw. symbolisiert
die verschiedensten Gruppen von Menschen. Mode lebt von der bereits
bestehenden Vielfalt und unterschiedlichsten Interpretationen, Mode
entsteht durch ständige Quereinflüsse und neuen
Entwicklungen. Einhergehend gibt es gewachsene Strukturen, wie
Modewettbewerbe, Neuentwicklungen von Materialien etc., die diesen
Mechanismus aufrecht erhalten.
Weitere Beispiele
für Kultur
a.
Werbung: Sixt-Autovermietung, Lucky Strike-Zigaretten – Kultur
der kreativen Einfälle, um das Produkt immer wieder neu und
interessant in Szene zu setzen
b.
Autobranche – Kultur des technischen und ästhetischen
Fortschritts
c.
Weinbranche – Kultur des immer vielfältigeren Angebots und
Assoziation mit z.B. Speisen
Kultur von Jungwinzern es besser zu
machen als die bestehende Generation
d.
Häuserbau – Umsetzung von neuen Stilelementen, Kultur des
Einsatzes von umweltgerechten Materialien und Bauweisen
e.
Kunst – Kultur der sich ständig änderten
Betrachtungsweise auf Dinge und Mensch, Einsatz neuer Medien etc.
Warum ist Kultur
für die Bierbranche wichtig?
Kultur ist der Garant
dafür, dass eine Branche beweglich bleibt. Ist sie es nicht, dann
ist die Konsequenz ein Sterben der Produkte begleitet von einem
erheblichen Preisverfall. Eines ist sicher in der heutigen Welt: Wir
leben in einer heterogenen Welt, die durch neue Reize, Emotionen,
Produkte interessant gehalten wird. Die Zeit, wo Bier einfach nur Durst
gelöscht hat ist wahrscheinlich so lange her, wie die
Bevölkerung breiten Zugang zu trinkbaren Wasser hat, somit ist es
mehr denn je notwendig sich Gedanken über den Einsatz von Bier als
heterogenes Genussmittel zu machen.
Welche Faktoren sind
notwendig, um die Bierbranche zu einer kulturellen Bewegung zu machen?
1.
Heterogene Nachfrage seitens der Verbraucher
2.
Gute Information über die qualitative Vielfalt von Bier
gegenüber Verbrauchern
3.
Qualitative und preisliche Hierarchie im Angebot
4.
Qualitative Hierarchie der Anbieter (bei Brauereien wie auch im
Handel) –
so existieren wenige Händler in Deutschland,
die zurecht Fachhändler
genannt werden könnten, z.B. vergleichbar mit einem
Weinfachhändler
5.
Den Mut der Brauereien neue Wege zu beschreiten, aber
gleichzeitig Qualität und regionaler Herkunft treu zu bleiben.
6.
Wettbewerb, bzw. Wettbewerbe, wo sich Brauereien und Biere
miteinander messen können.
7.
Positiver Neid: Wie kann ich ein besseres Produkt als mein
Mitbewerber anbieten?
8.
Steuerliche Unterstützung neuer Produkte
9.
Förderung des Flaschenbierangebots in der Gastronomie, damit
ein größeres Angebot möglich wird
10.
Andere Wege in der Finanzierung von Gaststätten, bzw. Aufhebung
der
Bindung von Krediten an Kauf der Produkte des Kreditgebenden