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VERRAMSCHTES BIER
 

Netto Bier für 4 EuroAm 24.7.2009 vermeldete die „Bild“-Zeitung auf Seite 1 ein zweifelhaftes Angebot für 4 Euro pro 10 Liter MW-Kasten des Discounters „Netto“. Die Meldung bezog sich auf die Marke „Meisterbräu“– ein Markenname wohl aus Zeiten, als generische Produktbezeichnungen irgendwie „in“ waren. Das deutsche Patentamt weist die Marke dem Freiberger Brauhaus in Sachsen zu (die Miller Brewing Co., die in den U.S.A. unter diesem Namen ein wenig deutsche Heimat in die Haushalte bringt, erscheint mit dieser Marke übrigens auch im deutschen Markenregister).

Willkommener Anlass sich über Bier als Ramschobjekt zu unterhalten:
Nehmen wir den Grundpreis von 4 Euro für eine 10 Liter-Kiste. Das macht ohne Mehrwertsteuer 3,36 Euro. Auf Bier lastet, wie wohl bekannt, eine Biersteuer. Diese ergibt bei 0,787 Euro pro Grad Plato auf 1 HL in diesem Fall ca. 94 ct. für 10 Liter (Vollbiere mit den üblichen 4,8 % Alk. haben in der Regel 12 Grad Plato). Das ergibt einen Netto-Netto-Warenwert von 2,42 Euro oder 12,1 ct. für eine Halb-Liter-Flasche.
Abwärts-Kalkulationen nach diesem Punkt sind sicherlich ein gut gehütetes Geheimnis einer jeden Brauerei, allerdings müssen diese 12 ct. für alle Kosten vom Halm bis zum Hals herhalten, sprich Zutaten, Verarbeitung, Verpackung, Transport, Vertrieb und (nicht vergessen) Rücktransport, da wir hier ja von MW-Gebinden sprechen.
Nach eigenen Recherchen komme ich alleine bei den Herstellungskosten wohl bemerkt in einer Kleinbrauerei auf ca. 14 ct. pro halben hergestellten (noch nicht abgefüllten) Liter. Egon Bojkow veröffentlichte in seinem Buch „Getränkeverpackung und Umwelt“ (1989) Systemkosten (ohne Transport) für eine 0,5 Ltr. MW-Flasche zwischen 7,60 und 11,65 ct. und nach eigener Schätzung liegen die Transportkosten bei einer entsprechenden Flasche bei ca. 10 ct.
Selbst bei aller Effizienz, die die erwähnten Zahlen relativieren könnten, ist das Angebot von „Netto“ entweder Zauberei oder Dumping.

Jedes Billig-Angebot, egal für welches Produkt, schadet auch zwangsläufig der Wertschätzung für alle Produkte in einer Produktgruppe, somit wird auch das Ansehen von Bier als Qualitätsprodukt unweigerlich durch eine solche Ramscherei beschädigt und führt zu einer Vereinheitlichung des Produkts auf den billigsten gemeinsamen Nenner.

Ach ja, es geht übrigens noch billiger: Ebenfalls „Netto“ bot in einer Werbung vom 27. Juli 2009 deren Eigenmarke „Grafensteiner“ zu 3,77 Euro für einen 10 Liter-Kasten.