KGB-LogoKAMPAGNE  FÜR  GUTES  BIER
Die Verbraucherinitiative für mehr Biervielfalt
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  VERKOSTUNGEN

der Kampagne für gutes Bier e.V.



Kampagne für gutes Bier e.V. legt besonderen Wert auf Verkostungsveranstaltungen, die Verbrauchern, wie auch dem Handel und der Gastronomie die Möglichkeit bieten Biere im Vergleich zu probieren. Diese Veranstaltungen finden in regelmäßigen Abständen an einem öffentlichen Ort, wie z.B. einer Gaststätte statt. Vorgestellt werden ca. 10 Biere, in der Regel aufgeteilt in zwei Gruppen, bzw. zwei Biersorten. Der Kern dieser Veranstaltung ist Biere vergleichend zu verkosten, die Eindrücke zu dokumentieren (in Form einer zahlenbezogenen und einer verbalen Bewertung) und damit die vermeintlich beste Biermarke der vorgestellten Biere zu ermitteln.



Verkostungsveranstaltung am 1.Sept. 2003

 
Gewinner

Andechs Bergbock Hell

Andechser Berkbock HellAndechs liegt etwas süd-westlich von München unweit des Starnberger Sees. Das Kloster ist Pilgerstätte vor allen Dingen für die Bierdurstigen dieser Republik. 87.000 Hl werden hier jährlich produziert, nicht übermäßig groß, aber respektabel.
Klöster haben vermeintlich eine große Tradition an Bockbieren, dienen diese in der Regel als Fastentrunk, um vor Ostern die verringerte Kalorieneinnahme durch feste Nahrung zu kompensieren.
Deren Bergbock Hell ist ein gutes Beispiel, dass alkoholstarkes Bier nicht unbedingt dunkel sein muss – hier werden geschmackliche Vorurteile gebrochen.  
Bewertung: 4,09
 
Vertriebsinfo:
Iversen, Uetersen, Tel: 04122-7055
Weihenstephan Hefe Weissbier

Weihenstephan Hefe„Seit 1040“ klingt schier unglaublich, somit rühmt sich Weihenstephan zurecht die älteste kommerzielle Brauerei der Welt zu sein. Weiterhin ist diese Brauerei der wohl wichtigsten Versuchs- und Lehranstalt für Brauwesen der Welt angeschlossenen. Gründe genug gute Qualität hinter diesem Namen zu erwarten.
Auffällig war hier der trockene Biss und ausnahmsweise mal nicht das übliche Bananenaroma, was sonst sehr typisch für Weizenbier ist.
Die Etiketteninformation bleibt allerdings einen Hinweis schuldig, ob es ein flaschenvergorenes Bier ist oder nicht. Dies wäre ein weiteres Indiz für die Qualität dieses Bieres.
 
Bewertung: 3,95

Vertriebsinfo:
Iversen, Uetersen, Tel: 04122-7055
Wernecker Laurentius Kellerbier

Wernecker Laurentius KellerKellerbier ist eine typisch fränkische Spezialität. Oft wird es mit der Machart „ungespundet“ in Verbindung gebracht. Ungespundet bedeutet ein nur ganz leichter Kohlensäuregehalt, weil in der Phase des Kohlensäureaufbaus (der Lagerung) der Lagertank auf geringen Druck gehalten wird.
Die Brauerei Wernecker hat sich dem Thema Kellerbier allerdings etwas anders genähert – so wie das Etikett verrät ist es unfiltriert, sowie nach Märzen-Brauart hergestellt.
Dies suggeriert einen höheren Alkoholgehalt und macht das Bier „festtauglich“.
Üblicherweise liegt der Alkoholgehalt bei max. 5,2%, hier allerdings bei 5,5%.

Bewertung: 3,77
 
Vertriebsinfo:
Iversen, Uetersen, Tel: 04122-7055


 


Vollständige Bewertungen

Andechser Bergbock Hell

4,09

Weihenstephan Hefeweizen

3,95

Laurentius Kellerbier

3,77

Pilsner Urquell

3,71

Irseer Kloster Urtrunk

3,65

HB Oktoberfestbier

3,55

Früh Kölsch

3,27

Aventinus

3,23

Wieninger Bayrisch Hell

3,15

Schwabenbräu Märzen

2,84

Altenmünster Steinbier

2,42

Frankenheim Altbier

1,92


Wie man sieht, hat die „Mutter aller Pilsner“ nur knapp das Treppchen verpasst.
Erstaunt hat mich das mittelmäßige Abschneiden von Früh Kölsch und dem Weizenstarkbier Aventinus, was zumindest unter den renommierten Bierprofis ein hohes Ansehen hat. Das Früh Kölsch war nach meinem Empfinden eine sehr positive Überraschung, während das darauf folgende Frankheim Alt eine schlaffe (noch nicht mal herbe) Enttäuschung war.
Das schlechte Abschneiden von Frankenheim Alt, hat wahrscheinlich das Altenmünster Steinbier vor dem letzten Platz bewahrt. Die ausgeprägt rauchige Note war für die meisten Verkoster zu exotisch.




Verkostungsveranstaltung am 24. November 2003

 

Gewinner


Biersorte Dunkel
Crailsheimer Dunkel


Crailshaimer DunkelDas einzige baden- württembergische Bier hat den restlichen bayrischen Bieren den Rang abgenommen.
Das Crailsheimer Dunkel war wirklich ein Erlebnis. Die Kommentare erstreckten sich von aromatisch, sehr weich bis hin zu angenehmer Rezenz. Ein Person entdeckte so ausgefallene Nuancen, wie ButterscotchKaramel – es wurde sogar Harry Potter’s Butterbear angemerkt. Butterscotch-Aroma ist oft ein Indiz für einen Anteil Diacetyl im Bier. Brauereien scheuen dies im Bier, kann aber geschmacklich interessantere Biere hervorbringen.
Das Etikett wirkte vielleicht etwas zu traditionell wurde aber durch die ungewöhnliche Flaschenform wieder wett gemacht.
 
  Bewertung: 3,60
 
Vertriebsinfo:
Iversen Uetersen, Tel: 04122-7055

Biersorte Weihnachtsfestbier
Mönchshof Weihnachtsbier

Mönchshof WeihnachtsbierDie Bewertungen in der Kategorie Weihnachtsbiere lagen so nah beieinander, dass man im Extremfall sagen könnte es war eher ein Zufall, dass das Mönchshof Weihnachtsbier an erster Stelle ist.
Die Mönchshof Brauerei ist Teil der Kulmbacher Brauerei, die wiederum der Bayerischen BrauHolding AG der Schörghuber Unternehmensgruppe angehört. Bei einer so weit verzweigten Abhängigkeit drängt sich die Angst auf, dass die Vielfalt gerade einer solchen brautraditionellen Stadt wie Kulmbach sich mal reduzieren könnte. Dem scheint allerdings nicht so.
Das Weihnachtsbier selbst wurde eher durchschnittlich kommentiert. Bezeichnungen wie frisch und leicht (hopfen-)würzig dominierten. Erfreulich ist, dass das Rückenetikett sich viel Mühe gibt zu erklären, dass dies wirklich ein Bier exklusiv für die Weihnachtszeit ist. Leider kann nicht immer das Vorurteil ausgeräumt werden, dass einige Biere lediglich mit einem weihnachtlichen Etikett geschmückt werden, sonst aber ein anderes Bier beinhalten.

Bewertung: 3,43

 
Vertriebsinfo:
Iversen , Uetersen, Tel: 04122-7055




Vollständige Bewertungen

 

Dunkel

 

  Crailsheimer Dunkel

3,60

  König Ludwig Dunkel

3,33

  Postwirt's Dunkel

3,26

  Barock Dunkel

3,18

  Andechser Dunkel

3,03

 

 

Weihnachts-Festbiere

 

  Mönchshof Weihnachtsbier

3,43

  Post-Brauerei Weihnachtsbier

3,38

  Schwaben-Bräu Weihnachtsbier

3,38

  Hofbräu Festbier

3,37

  Herforder Weihnacht

3,30

  Eiszäpfle

3,25

In unserer ersten Verkostung haben wir noch erheblich größere Bewertungsunterschiede gehabt. Das mag einerseits daher rühren, dass wir einen recht breiten Querschnitt durch die meisten deutschen Biersorten gemacht hatten, wo die geschmacklichen und qualitativen Unterschiede schon manchmal dramatisch sein können. Andererseits merken wir wohl jetzt auch, dass es uns massiv an Übung fehlt, feine Nuancen innerhalb einer Sorte zu erhaschen.

Bei der Sorte Dunkel ist auffällig, dass die beiden reinrassigen Klosterbiere (Weltenburger und Andechs) nicht so gut abgeschnitten haben. Oft erwähnte Kommentare zu den Bieren war labrig, wässrig und langweilig. Beim Postwirt’s Dunkel schieden sich die Geister ein wenig, wo einige einen „ungewöhnlichen“ Geschmack geortet hatten, hat eine Person das Aroma von Quitte erkennen können.

Bei den Weihnachtsbieren kann man wirklich nicht von Gewinnern und Verlierern sprechen – so nah lagen die Bewertungen. Kurios ist das schlechte Abschneiden des Herforder Weihnacht und des Eiszäpfle.

Viele von uns hat gemäß der Kommentare auch Schwierigkeiten zu erkennen, wo das weihnachtliche in diesen Bieren steckte.



Verkostungsveranstaltung am 29. März 2004

 

Gewinner

Biersorte Mai-Bock
Hofbräu Mai-Bock


Hofbräu MaibockEin Verkoster hat sich zu der in Norddeutschland sicherlich nicht häufig vorkommenen Bewertung „vollkommen“ hingezogen gefühlt. Ansonsten überwiegten Angaben wie „würzig“ und „hopfig“. Von der Aufmachung her war es sicherlich das untypischste der Mai-Bock, die wir probieren konnten. Während bei den meisten Bieren das frühlingshafte Grün stylistisch verarbeitet wurde, mußte man hier schon zweimal hinschauen. Vielleicht ist dieses Bier ein Opfer des Corporate Identity, wohl praktisch alles für den vereinheitlichen Wiedererkennungswert des Unternehmens herhalten muss. Geschmacklich herrscht glücklicherweise eine gewinnende Eigenständigkeit.

Bewertung: 3,40

 
Vertriebsinfo:
Iversen, Uetersen, Tel: 04122-7055

Biersorte Fastenbiere
Pikantus Dunkler Weizenbock

Erdinger PikantusHier wurde mit den positiven Bewertungen nicht gespart: Attribute, wie „exquisit“, „sanft“, „weich“ oder gar „one of the finest“ (wir hatten einen englischen Brauer zu Gast!) wurden genannt. Erfreulich, dass gerade ein Weizenstarkbier in dieser starbesetzten Kategorie so gut bewertet wurde. Pikantus ist sicherlich nicht ein Bier für die knalligen Sommertage, aber es ist eine konsequent gute Weiterentwicklung der Biersorte Weizenbier. Außerdem bekennt sich dieses Produkt zu der Namensübereinkunft (Endung auf -us), welches wie beim Original Aventinus der Schneider Brauerei den Biertypus Weizenstarkbier signalisiert.
 
 
Bewertung: 3,55
 
Vertriebsinfo:
Iversen, Uetersen, Tel: 04122-7055




Vollständige Bewertungen

Mai-Bock

 

Hofbräu Maibock

3,40

Altenmünster Maibock Hell

3,30

Einbecker Mai-Ur-Bock

3,25

Engel Frühlings-Bock

2,73

Post-Bräu Mai-Bock

2,44

 

 

Fastenbiere

 

Pikantus Dunkler Weizenbock

3,55

Andechser Doppelbock Dunkel

3,47

Torgauer Landbock

3,35

Weltenburger Asam Bock

2,98

Hopf Eisweissbierbock

2,33

Wir waren ja eine illustre Sammlung von Leuten bei dieser Verkostung. Auffallend war, dass von jung bis alt wirklich alles vorhanden war. Dementsprechend gemischt sind auch die Bewertungen für die Biere ausgefallen, allerdings erfreulicherweise nicht unfundiert - man merkt an den Kommentaren, dass alle Probierenden wirklich Spass damit hatten, sich mit den Bieren geschmacklich auseinander zu setzen.
Auffallend ist auch die vermeintliche Objektivität mit der die Biere verkostet wurden. Z.B. hat der Lokalfavorit unter den Mai-Bock (Einbecker) nur im Mittelfeld gelegen, wenn auch nur knapp durch Hofbräu Mai-Bock und den alkoholstarken Mai-Bock Altenmünster geschlagen.
Bei den Fastenbieren liegen die Plätze 1 bis 3 auch relativ nahe beieinander. Es ist auch anzunehmen, dass die Bewertungen relativ unbeeinflußt von der Aufmachung der Biere sind, denn bei der drangvollen Enge sah man nach Einschenken eher zu sich mit seiner ergatterten Proben in einer stilleren Ecke auseinander zu setzen. Kurioserweise hat ein vermeintlich ähnliches Bier zum Gewinner in dieser Kategorie (Brauerei Hopf) mit dem letzten Platz in dieser Kategorie nicht wirklich mithalten können.


Verkostungsveranstaltung am 13. Juni 2004
Wir haben eine Änderung der Bewertung auf Anraten, bzw. mit Hilfe einer Umgestaltung unseres Mitglieds Meike Trenner, vorgenommen. Wir haben nicht nur die Bewertung umgekehrt, d.h. nicht mehr von 5 bis 1 (wo die 5 die beste Bewertung war), sondern diesmal nach Schulnotenprinzip von 1 bis 5. Weitergehend wurde eine Aufsplittung in verschiedene qualitative Kriterien vorgenommen. So gibt es jetzt nicht nur eine Sammelbewertung, sondern eine Bewertung nach Präsentation (Pr) (Etikett und Gesamtausstattung, d.h. wie attraktiv ist die Erscheinung des Produkts), Schaum (Sm) (Haltbarkeit und Feinperligkeit), Geruch (Gr) (z.B. Harmonie und Komplexität), Geschmack (Gs) (Ausgewogenheit, Harmonie mit Geruch, Komplexität) und Rezenz (Rz) (Perligkeit in Abhängigkeit zu dem was für die Biersorte typisch ist). Letztlich besteht noch die Möglichkeit den Gesamteindruck (GE) zu bewerten. Die Einstufung des Gewinners erfolgt nach der besten gemittelten Note des Gesamteindrucks.
Wir haben uns für diese Verkostung auch in der Auswahl unserer Biere ein wenig von dem etablierten Schema entfernt, insofern, dass wir statt zwei Biersorten nur eine ausgewählt hatten – in zwar diesmal recht streng: nur helle Hefe-Weissbiere.



Gewinner

Andechser Weissbier


Andechser WeisseDer letzte rollt das Feld von hinten auf… somit könnte widerlegt sein, dass aufgrund von Probiermüdigkeit die Bewertungen zunehmend schlechter ausfallen. Mit inzwischen 110.000 HL pro Jahr ist der „Andechser“ zwar immer noch eher im unteren Bereich der vorgestellten Brauereigrößen… vielleicht lag es aber auch daran, dass dieses Bier mit 5,5% die Liste anführte.
Laut der verbalen Bewertung basiert das gute Abschneiden möglicherweise auf den hohen Bekanntheitsgrad dieser Brauerei. Vornehmlich lag es aber an Bemerkungen, wie harmonisch, frisch, spritzig und nicht letztlich an dem erfreulich übersichtlich gestalteten Etikett.

Eine brandneue Meldung: Der neue Abt Johannes Eckert des Andechser Klosters macht sich stark für mehr Spiritualität. Prior Bilgri (so steht es im Hamburger Abendblatt vom 26.6.04), der maßgeblich für den geschäftlichen Erfolg des brauenden Klosters in den letzten 15 Jahren verantwortlich war, wurde –so wörtlich– entmachtet.

Bewertung: 1,95
Vertriebsinfo:
Iversen, Uetersen, Tel: 04122-7055

Maisel's Weisse

Maisel's HefeMit Maisel’s Weisse ist sicherlich eine weitere Bekanntheitsperle als 2. Gewinner erkoren worden. Allerdings ist die Perle inzwischen ein wenig verblasst, so war vor vielen Jahren dieses fränkische Weißbier erheblich bedeutender als die südlich der Donau gelegenen vermeintlich originaleren anderen Weißbiere.
Die Bewertungen orientiert sich hier unterschwellig auch an dem Bekanntheitsgrad - fiel aber sonst nicht so eindeutig positiv aus, wie beim Andechser. Auch wurde die Frische positiv hervorgehoben. Bei der Präsentation meinte einer „man hätte sich vertan“, ein andere hob die ländliche und erfreulich (regional gesprochen) unpatriotische Art hervor. Es wurde von zwei Leuten wurde der auffällig alkoholische Geschmack angemerkt.
 



Bewertung: 2,36

Vertriebsinfo:
Iversen, Uetersen, Tel: 04122-7055



Vollständige Bewertungen




 

GE

Pr

Sm

Gr

Gs

Rz

Andechser Weissbier

1,95

2,1

2,2

2,6

1,6

2,0

Maisel's Weisse

2,36

1,9

2,9

2,5

2,4

2,5

Augustiner Weissbier

2,67

3,0

3,2

2,7

2,7

2,9

Weltenburger Hefe-Weißbier Hell

2,79

2,8

2,5

2,8

2,7

3,0

Fortuna Hefeweizen

2,83

2,7

2,3

2,9

2,6

2,9

Kuchlbauer Weisse

2,88

2,7

2,7

2,7

2,8

2,7

Wieninger Hefe Weißbier

2,92

3,0

3,2

2,7

3,0

3,0

Kapuziner Weißbier

3,00

2,5

2,8

3,2

2,9

3,0

Der Postillion Hefeweizen

3,08

2,7

3,0

2,8

2,9

3,1

Rothaus Hefeweizen

3,21

3,3

2,6

3,3

3,0

3,4

Die Bewertungen konzentrierten sich stark auf Eckcharakteristika, wie Frische, Spritzigkeit, das typische Bananenaroma, sowie auf die geschmackliche Ausgewogenheit, gerade in Hinblick auf die Säure. So waren dies auch immer die wichtigsten Kriterien, die die Bewertungen variieren ließen.

Das Augustiner ist sicherlich nicht wegen seines ansprechenden Designs auf den 3. Platz gekommen, sondern weil es in den Schlüsselkategorien Geruch und Geschmack überzeugend war. Das Kuchlbauer schien nach einer Reihe von recht trockenen Bieren gerade durch seine Restsüße punkten zu können. Das Wieninger ist als leichtestes von den 10 Bieren immerhin auf den 6. Platz gekommen, so dass wohl noch ein paar andere Kriterien zählten, als die die durch den Alkohol begünstigt werden.

Abgeschlagen (schon wieder muss man sagen), dass Rothaus Bier. Die Preispolitik, bzw. die Überzeugung, die die Firmenführung bezüglich der Güte des Produkts ausstrahlt, scheint nicht im Einklang mit unseren Bewertungen zu stehen.



Verkostungsveranstaltung am 29. November 2004

Wie mit der letzten Verkostungsveranstaltung schon etabliert sind die Biere innerhalb der vorgestellten Biersorten, bzw. -kategorien nach dem Schulnotenprinzip von 1 bis 5 bewertet worden. Es wurde in verschiedenen Gruppen bewertet und zwar nach Präsentation (Pr) (Etikett und Gesamtausstattung, d.h. wie attraktiv ist die Erscheinung des Produkts), Schaum (Sm) (Haltbarkeit und Feinperligkeit), Geruch (Gr) (z.B. Harmonie und Komplexität), Geschmack (Gs) (Ausgewogenheit, Harmonie mit Geruch, Komplexität) und Rezenz (Rz) (Perligkeit in Abhängigkeit zu dem was für die Biersorte typisch ist). Letztlich bestand noch die Möglichkeit den Gesamteindruck (GE) zu bewerten.
Die Einstufung des Gewinners erfolgt nach der besten gemittelten Note des Gesamteindrucks.
Um eine bessere Einschätzung der Biere zu erlangen wurde diesmal eine Biersortenbeschreibung mit dem Bewertungsblatt gereicht. Anhand der Beschreibung von z.B. Schwarzbier läßt sich zumindest die Sortentypizität einer Schwarzbiermarke erheblich besser einschätzen (zur Einsicht der Biersortenbeschreibungen, s. unter http://www.kgbier.de/Biersorten.html)

Wir haben innerhalb von zwei Biersorten je fünf Biermarken probiert: 1. Kategorie Schwarzbier 2. Kategorie Winter, bzw. Festbiere. Letztere Kategorie war ein wenig gemischt, denn eine Biersorte Winterfestbiere leitet sich eigentlich aus der Biersorte Festbiere (im Sinne von Oktoberfestbier), bzw. Märzen ab und kann somit vielleicht emotional als eigenständige Sorte angesehen werden, objektiv eher nicht, denn es fehlt an einer aussagekräftigen Sortenbeschreibung, was dieser Typus Bier darstellen soll.


Gewinner
Schwarzbier
Mönchshof Schwarzbier


Mönchshof SchwarzbierMit einer Bewertung von 2,03 in der Gesamtwertung hat dieses Bier in dieser Kategorie klar vor den vermeintlich authentischeren aus den neuen Bundesländern den ersten Platz abgeräumt.
Mit einer sicherlich eher unerwarteten Frische, die stellenweise an ein gewisses Citrusaroma erinnerte, lobten einige den erfrischenden Charakter dieses Bieres.
Dieses Bier ware in vielen Aspekten gut ausgewogen, bot eine angenehme Hopfennote, ist fein und weich im Geschmack und hat Anklänge von Toffee. Im Abgang verbleibt etwas Bittere, die aber nicht unangehm nachhängend, bzw. sich mit dem Konsum stärker aufbaut.
Die Präsentation, bzw. Ausstattung des Produkts könnte man als gemischt bezeichnen. Einerseits wird mit einer relativ detailgenauen Darstellung eines Braukessels das Einerlei von geschwungenen Logos und altdeutscher Schrift durchbrochen, andererseits wird eine traditionell gedachten Bügelverschluß-Flasche benutzt. Der dicke Mönch als Logo bedient leider eines der üblichen Klischees.
Hier, wie auch bei dem anderen Kategoriesieger fällt auf, dass die Bewertung für den Gesamteindruck einhergeht mit der Bewertung für den Geschmack. Somit wird die Wichtigkeit der Geschmackbewertung sicherlich unterstrichen.


Bewertung: 2,03
Vertriebsinfo:
Iversen, Uetersen, Tel: 04122-7055
Winter-Festbiere
Weltenburger-Wintertraum


Weltenburger WintertraumHier haben wir einen vielversprechenden Titel von einer prestigreichen Brauerei. Mit einem Alkoholgehalt von 5,4% war dieses Bier nicht gerade im oberen Spektrum in dieser Kategorie und hat somit bewiesen, dass Alkoholstärke nicht unbedingt zu schmackhafteren Bieren führt.
Während das Bier in der Gruppe Präsentation, sprich Etikett und Aufmachung am schlechtesten von allen abschnitt, war es einhergehend zur guten Gesamtbewertung auch im Geschmack vorne.  Etwas Süße, etwas Bittere schienen harmonisch genug, um den Durchschnitt zu überzeugen. Im Abgang hatte dieses Bier fast eine belgische Fruchtigkeit, was für untergäriges Bier nicht typisch sein sollte. Vielleicht hat die Hefe exotische Arbeit geleistet, die auf jeden Fall bei den Verkostern gut ankam.
Die Präsentation, genauer hier das Etikett versprüht einen gewissen winterlichen Flair. Die Flasche ist die populäre schlanke NRW-Flasche als 0,5 Ltr. Version.

 


Bewertung: 2,36

Vertriebsinfo:
Iversen, Uetersen, Tel: 04122-7055

Vollständige

Bewertungen
Schwarzbier

GE

Pr

Sm

Gr

Gs

Rz

Mönchshof Schwarzbier

2,03

2,8

2,3

2,7

2,1

2,9

Märkischer Landmann

2,50

2,7

2,3

2,4

2,1

2,5

Köstritzer Schwarzbier

2,63

2,3

3,4

2,3

2,7

2,8

Dinkelacker Das Schwarze

3,33

2,1

2,9

3,0

3,5

3,1

Neuzeller Schwarzer  Abt

3,36

2,1

2,8

2,7

3,4

3,3


Schwarzbier
Nach dem klaren Sieger aus Franken wurden die beiden größeren ostdeutschen Marken auf die Plätze verwiesen, wobei zwischen dem Produkt mit ländlichem Charme einer Berliner Großbrauerei und dem wohl bekanntesten Schwarzbier der Republik wenig unterschiedlich bewertet wurde. Nur der Schaum beim Köstritzer wurde stark abgestraft.
Einige Leute waren enttäuscht von der geschmacklichen Qualität der Köstritzer, bzw. des Dinkelacker Schwarzbieres.
Eine Sonderstellung nahm sicherlich das "Bier" der Neuzeller Klosterbrauerei ein. Zwei Leute hatten sich geweigert dieses Produkt zu bewerten, denn es stelle ja kein Bier dar. Die Geschichten um dieses Vor-Reinheitsgebot-Rezept ranken üppig, so sagt man, dass dieses Produkt nicht als Bier bezeichnet werden darf, trotzdem prangt die Bezeichnung "Schwarzbier" auf dem Fronstetikett.
Vielen Verkostern war das Bier zu süß. Bittere (Kaffeearoma) und Süße sind ausgeprägt, aber präsentieren sich eher nebeneinander und weniger harmonisch miteinander. Allerdings hat es eine Menge Geschmack für lediglich 3,9% Alk. Vol.
Winter/Festbier

GE

Pr

Sm

Gr

Gs

Rz

Weltenburger Winter-Traum

2,77

3,2

2,8

3,1

2,5

2,8

Flensburger Winter-Bock

2,93

2,5

2,7

3,0

2,6

2,4

Neuschwansteiner Weihnachtb.

2,97

2,5

3,4

2,9

2,6

2,7

Wallerstein Winter-Böckle

3,03

2,6

3,1

2,8

3,0

2,5

Veldensteiner Festbier

3,13

2,8

2,6

3,2

3,1

2,7


Winter/Festbier
Winterbier ist eine eher emotionale Biersorte, die sich an einer kalten Jahreszeit orientiert und die Biere auf den Markt bringt, die winterliches Flair vermitteln sollen. In der Regel orientieren sich diese Produkte an der Biersorte (Oktober)Festbier, bzw. Märzen.
Gerade rechtzeitig auf den Markt kam damit das Flensburger Winter-Bock, mit 7% ein mächtiger Gegner bei den sonst vergleichsweise schmächtigen 5,5%ern der Festbiere. Allerdings waren die Meinung hier geteilt, einige lobten es hoch, andere waren von beiden Bock-Bieren eher enttäuscht. Für 7% Alk. war der Geschmack beim Flensburger Winter-Bock eher mäßig.
Das Winter-Böckle war fast unangenehm süß.
Beim Veldensteiner Festbier fiel so einigen ein recht markanter Geruch auf - ein möglicher Fehlton? Auf jeden Fall war dieser dann wohl auch für das schlechte Abschneiden dieses Bieres verantwortlich.




Verkostungsveranstaltung am 2. Juni 2005
Diesmal hatten wir uns einem recht aktuellen Thema gewidmet. Wir liessen fünf Biere der Trendsorte Mild gegen die entsprechenden Pilsner der gleichen Brauereien "antreten". Zur Erklärung: Mild ist die Bezeichnung für Beck's und Consorten. Während Beck's Gold uns ja schon einige Zeit medial begleitet, sind die vermeintlichen Nachahmer-Produkte einiger andere großen Brauereien erst kürzlich breit auf dem Markt vertreten. Vorrangig ging es in dieser Verkostung um die Ermittlung eines Favoriten innerhalb von fünf probierten Mild-Bieren. Als Ergänzung wurden die entsprechenden Hauptprodukte (allesamt Pilsner oder zumindest von uns so klassifiziert) der gleichen Brauereien der Mild-Biere vorgestellt.

Wir haben in Deutschland nicht zwingend ein eindeutiges Vorbild, bzw. eine etablierte Sorte, entlang der sich ein Mild-Bier probieren und bewerten liesse. Es könnte vom Ansatz als ein Dry-Bier gelten, wenn man es gemäß der Machart betrachten möchte oder man versucht entlang der vermeintlichen Zielgruppe eine objektive Sorte/Kategorie zu ermitteln, die passend für diese Art von Bier wäre.
Die wir seit der letzten Verkostung die Probe der Biere immer gemäß einer Sortenbeschreibung vornehmen, haben wir uns bei den Mild-Bieren für die etablierte Sorte "Premium American Lager" entschieden, zu der so illustrierte Biere, wie Singha, Stella Artois, Heineken und (ausschlaggebend für unsere Klassifizierung)
Miller Genuine Draft ausgesucht.

Zur Erklärung der Bewertung, siehe bitte unter der Verkostung vom 29. November 2004.
Gewinner
Mild
Flensburger "Gold"


Flensburger GoldFlensburger "Gold" ist wirklich ein Hingucker: In diesem Produkt vereinen sich Corporate Identity und ein vermeintlich jugendliches Produkt. Heraus kam eine kuriose Mischung aus einer Bügelverschlußflasche, die ja prinzipiell Traditionsnähe signalisieren soll, und inhaltlich ein Produkt, was eigentlich in Hinrichtung des legeren, jugendlichen Konsums tendieren soll. Dies ist möglicherweise ein wichtiger Punkt gewesen, der die relativ positive Gesamtbewertung beeinflußt hat.
Weiterhin fiel das Bier durch seine ausgeprägt hopfenbeeinflußte Bittere auf, was für ein Mild alleine vom Namen her nicht wirklich passend ist, aber es scheint hier geschmacklich eine Anlehnung an das Pilsner der Brauerei stattgefunden zu haben.
Insofern läßt sich abschließend sagen, dass dieses Produkt eher der Linie der Brauerei (optisch und geschmacklich) treu geblieben ist, als dem noch abstrakten Ideal hinterher zu brauen, was ein Mild wohl darstellen soll... das kam bei unseren Verkostern wohl gut an, allerdings entsprach es nicht ganz den Vorgaben der Bewertung, wie TYPSICH das Bier entsprechnd der Biersortenbeschreibung "Premium American Lager" ist.


Bewertung: 2,90
Vertriebsinfo:
Riepen Getränke (Preis: 10,49 Euro pro 20er Kasten)
Pilsner
Beck's


BecksGanz im Gegensatz zum Gewinner der Gruppe Mild, wo wohl gerade die hopfenbittere Note ausschlaggebend war, hat sich bei den Pilsnern das vermeintlich "mildeste" durchgesetzt.
Auch hier die Aufmachung (grüne Flasche und das besonders klar und übersichtlich gestaltete Etikett) gegenüber den anderen Bieren positiv auf.
Ansonsten zeigte das einzige Produkt in dieser Reihe, welches sich nicht als Pilsner titulierte, wohl die gewünschten, bzw. notwendigen sensorischen und optischen Merkmale auf, die man sich in dieser Sorte wünscht: angenehme Vollmundigkeit und eine angenehme Grundbittere durch den Hopfen.

 
Bewertung: 2,60
Vertriebsinfo:
Riepen Getränke (Preis: 12,99 Euro pro 24er Kasten)

Vollständige

Bewertungen
Mild

GE

Pr

Sm

Gr

Gs

Rz

Flensburger "Gold"

2,90

2,2

3,0

2,6

2,8

2,8

Holsten Knight Premium

3,10

3,0

3,5

3,3

3,3

3,2

Krombacher Extra-Mild

3,20

2,8

2,9

3,1

3,2

3,2

Beck's Gold

3,40

2,2

3,3

3,2

3,4

3,3

Bit Sun

3,50

3,2

3,4

3,2

3,2

2,6


Mild
Unsere Kampagne für gutes Bier e.V. ist möglicherweise weder absolut (im Sinne von  Probiererfahrung) noch statistisch gesehen derzeit aussagekräftig genug, aber man kann mit Vorsicht sagen, dass ein Sieg mit 2,90 in dieser Sorte/Kategorie darauf hindeutet, dass die ganze Sorte Mild nicht wirklich gut ankam bei unseren Verkostern. Sind diese Biere zu filigran, bzw. zu nichtssagend oder mangelt es diesen Produkten an biertypischem Profil, was man sonst bei einem Bier erwartet?
Ein Mild sollte laut Sortenbeschreibung "Premium American Lager" eigentlich durchweg neutral und unaufdringlich sein. Dazu gehören mögliche Charakteristika, wie wenig Vollmundigkeit, relativ hohe Perligkeit/Rezenz (damit es frisch wirkt) und kein merkliches Hopfenaroma - kurzum, ein Bier, was erfrischt und gut 'runtergeht.
Geschmackliche Neutralität erfüllten fast alle, bis auf den Gewinner. Das Krombacher Extra-Mild und Bit Sun erschienen vielleicht an Hauch zu vollmundig, wobei das erste fast einen aufdringlich malzig/alkoholischen Ton hatte.
Bei allen Produkten (bis auf den Gewinner) konnte man nicht durchweg ein Bekenntnis zur Corporate Identity erkennen, was bei den großen Brauereien in Deutschland ja immer sehr ausgeprägt ist (sprich: ein Produkt beworben, mehrere wiedererkannt).
Schade, dass das Holsten Knight nicht ein wenig besser abgeschnitten hatte, denn hier konnte man eine erfrischende Rezenz und geringe Vollmundigkeit erkennen (fast adstringierend - d.h. mundtrocknend). Außerdem benutzt Holsten bei diesem Produkt selbstklebende Etiketten (nicht geleimte), die erheblich mehr Gestaltungsmöglichkeiten auf der Flasche ermöglichen. Möglicher Nachteil: gehen in der brauereieigenen Spülmaschine in der Vorbereitung zum Wiederbefüllen wohl erheblich schwerer von der Flasche.
Der Alkoholgrad hat das homogene eines Pilsners (fast immer bei 4,8%), wobei das Holsten Knight Premium eine merkliche Ausnahme mit 5,2% machte, was sensorisch aber gut kaschiert war.

Pilsner

GE

Pr

Sm

Gr

Gs

Rz

Beck's

2,60

1,8

3,1

2,5

2,6

2,7

Flensburger Pilsner

2,80

2,0

2,4

2,7

3,0

3,0

Holsten Pilsener Premium

3,00

2,6

3,2

2,8

3,2

2,8

Krombacher Pils

3,10

2,7

2,4

2,8

3,0

2,6

Bitburger Premium Pils

3,20

3,2

2,6

2,9

2,9

2,9


Pilsner
Es gehört schon eine gehörige Portion Selbstbewußtsein dazu in Deutschland sein Produkt NICHT Pilsner zu nennen und immer noch zu erwarten, dass man es zumindest mittelmäßig gut verkaufen kann. Da dem geneigten Verbraucher leider keine verlässliche Definition zur Verfügung steht, was ein Pilsner (z.B. in Abgrenzung zu einem anderen untergärigem hellen Bier) tatsächlich ist, ist der Brauerei quasi fast freigestellt, was diese als Pils titulieren und dem Verbraucher präsentiert sich im Extremfall ein Produkt, was nicht mehr ist als ein helles, untergäriges Bier mit ca. 4,8% und was etwas Bittere aufweist - kein Wunder, dass diese Sorte massenpopulär ist, bei so wenig Charakterausprägung.
Je unauffälliger, desto anfälliger ist ein solches Produkt für Methoden der marginalen Unterscheidung, wie es z.B. die Bezeichnung Premium darstellt. Premium suggeriert gehobene Qualität, allerdings sollte auch verlässlich kommuniziert werden, warum ein Produkt dieses Label verdient. Das ist gerade bei den Pilsnern nicht zu erkennen. Es fällt vielleicht eine einfach verständliche Unterscheidung, wie z.B. Helles, Export und Export Spezial, die sich zumindest einigermaßen nachvollziehbar in ihrer Stammwürze unterscheiden.
Wie oben erwähnt, hat der Sieger in dieser Kategorie gerade durch seine auffällige Aufmachung UND durch seine harmonische geschmackliche Art dieses Feld dominiert.
Gerade in Bezug auf die Aufmachung hat man faktisch keinen eklatanten Unterschied zwischen z.B. dem Krombacher Pils und dem Bitburger Premium Pils finden können, selbst der Einsatz der Schriftzüge und die Gestaltung des Kronkorkens waren sich fast zum Verwechseln ähnlich.
Das Flensburger Pilsner überzeugte gerade durch seine erwartet ausgeprägte Hopfenbittere und wies einen ausgeprägt haltbaren Schaum auf.  Praktisch alle anderen Biere zeigten wenige Unterschiede. Das Krombacher war farblich etwas dunkler, das Bitburger und Holsten zeigt ein wenig Hopfenaroma im Geruch, ansonsten waren alle durch eine eher durchschnittliche geschmackliche Grundbittere geprägt.
Krombacher und Bitburger wirkten geschmacklich etwas leichter, während Holsten und Beck's vollmundiger wirkten.
Der Pilsner-Alkoholgrad ist erschreckend gleich - hier machte lediglich das Beck's mit 4,9% Alk.. Vol. eine kleine Ausnahme.



Verkostung unter professionellen Bedingungen am 24.10.2005 in der Jugendbildung Hamburg
Wir haben am 24.10.2005 eine "Verkostungsveranstaltung unter professionellen Bedingungen" in der Einrichtung Jugendbildung Hamburg statttfinden lassen. Ko-Organisator war der gastronomische Ausbilder der Einrichtung Erik Broch, der einigen von uns von vorangegangenen KGBier-Veranstaltung möglicherweise schon bekannt ist.
Grund für diese Veranstaltung war Herr Brochs neuen Auszubildenden einen ersten Einstieg in eine kritische Auseinandersetzung mit Bier zu ermöglichen. Zu diesem Zweck haben wir eine Reihe von Informationen zusammengestellt, wie man Bier verkosten und bewerten kann, denn eine objektive Bewertung stellt faktisch die wichtigste Grundlage dar, um die Qualität eine Bieres (absolut oder relativ zu anderen, bzw. vergleichbaren Bieren) zu beurteilen. Letztendlich sollte und könnte eine Entscheidung für einen Gastronom von dieser Bewertung abhängen, für welches Bier er oder sie sich entscheiden wird.
Die Veranstaltung verlief in zwei Teilen: 1. Ab 18 Uhr Präsentation von Kampagne für gutes Bier e.V. für alle anwesenden gastronomischen Auszubildenden und anschliessender Verkostung von je 3 Pilsner und 3 Weizenbiere nach einem (von Weinbewertungen abgewandeltem) 20-Punkte-Schema. Da es für alle anwesenden ca. 20 gastronomischen Auszubildenden eine Ersterfahrung in der Bewertung von Bier war, wurde wenig Wert auf die absolute Korrektheit der Bewertung gelegt, sondern es ging um eine erste Erfahrung, eine erste kritische Auseinandersetzung mit Bier und Bieren, die man vielleicht glaubt zu kennen, aber bei genauerer Betrachtung vielleicht mit anderen Augen sieht.
Der zweite Teil der Veranstaltung war der Bewertung der Biere der Mitglieder von Kampagne für gutes Bier e.V. vorbehalten.
Die Ergebnisse dieser Bewertung findet ihr anbei.

BEWERTUNGEN
PILSNER SU
(20)
Sm
(2)
Gr
(4)
Gm
(7)
Rz
(2)
GE
(5)
Jever Pilsner 15,6 1,6 2,6 5,4 1,8 4,2
Lübzer Pilsner 15,0 1,6 2,8 5,2 1,6 3,8
Aktien Pilsner 12,6 1,6 2,4 4,0 1,2 3,4
Hier brechen wir wieder ein wenig aus unserem bisherigem Schema der 5-Punkte-Skala aus und nutzen ein aus der Weinwelt abgewandeltes und gewichtetes 20-Punkte-Schema.
Bei der Bewertungen der drei Pilsner an diesem Abend hat es keine wirklichen Überraschungen gegeben. Das Jever wird seiner gehobenen Reputation gerecht, aber nur knapp gefolgt von dem Holsten/Carlsberg-Konzern Produkt Lübzer Pilsner. Auch liessen sich keine Verschiebungen oder sonstige Aufälligkeiten innerhalb der Einzelkategorien im Vergleich zur Aufsummierung erkennen.

WEISSE SU
(20)
Sm
(2)
Gr
(4)
Gm
(7)
Rz
(2)
GE
(5)
Schneider Weisse 14,8 1,6 3,4 4,6 1,2 4,0
Hacker-Pschorr
13,8 1,2 2,8 4,8 0,8 4,2
Schöfferhofer 13,4 1,8 2,6 4,2 1,2 3,6
Die bayrische Weisse war in dieser Kategorie nicht so komplett bayrisch... zumindest das Produkt Schöfferhofer entstammt nicht einem bayrischen Territorium, sondern der Radeberger Gruppe (ex-Binding Gruppe) aus Frankfurt.
Ob dies für das schlechte Abschneiden bei der Verkostung maßgeblich war, dafür gibt es keine gefestigten Erkenntnisse - ansonsten gibt es wenig Unterschied zu dem 2. Sieger. "Fair" ist sicherlich, dass die "Mutter aller bayrischen Weizenbiere" gewonnen hat.
Kurios ist allerdings die recht guten Noten in zwei Schlüsselbewertungen Geschmack und Gesamteindruck der Hacker-Pschorr Weisse von 4,8 und und 4,2 respektive.
Abk: SU-Summe, Sm-Schaum, Gr-Geruch, Gm-Geschmack, Rz-Rezenz (=Perligkeit), GE-Gesamteindruck. Die unterhalb des Kürzels angegebenen Zahlen in Klammern sind die maximale Punktzahl pro Kategorie. SU ist die Aufsummierung der Bewertungen.

Freundlicherweise war der Journalist Helmut Heigert anwesend und wird voraussichtlich für uns, bzw. über diese Veranstaltung einen Artikel in der Hotel- und Gaststättenzeitung schreiben. Von ihm kam auch der Tipp, an wen man sich an der Hotelfachschule in Hamburg wenden könnte, um eine ähnliche Veranstaltung für diese bedeutende Ausbildungsstätte für den gastronomischen Beruf zu gestalten. Gerade an der Hotelfachschule wird das zukünftige "mittlere Management" und somit sicherlich auch zukünftige Entscheider in der Gastronomie- und Hotellerieszene ausgebildet. Eine innige Auseinandersetzung mit diesem so wichtigen Getränk für die Gastronomie ist auch hier dringend notwendig.

Weitere Informationen:
s. auch unter www.jugendbildung-hamburg.de und www.hotelfachschule-hamburg.de
Artikel in der Allgemeinen Hotel- und Gaststättenzeitung anlässlich dieser Veranstaltung



Verkostung belgischer Biere am 29.11.2005 in der Gaststätte TRUDE
Trude
Am 29.11.2005 haben sich nach einer kleinen, internen Ankündigung immerhin acht unserer Mitglieder in der Gaststätte TRUDE zu einer Diskussion-Verkostung von verschiedenen belgischen Bieren getroffen. Als Gast war Herr Martin Stoll-Hafkus, der Herausgeber der Flaschenpost, der Vereinszeitschrift der größten deutschen Heimbrauer-Vereinigung (Vereinigung der Haus- und Hobbybrauer in Deutschland e.V.) dabei.
Die TRUDE ist eine seit Frühling 2005 neu enstandene und sehr professionell geführte Gastronomie auf dem Gelände des Museums der Arbeit am Barmbeker Bahnhof. Das Restaurant stellt so etwas wie eine neue entdeckte Oase in der gastronomischen Wüste auf der Ostseite der Alster dar. Grund genug, diese neue Einrichtung durch unsere geballte Umsatzkraft zu stärken. Benannt ist das Restaurant nach der gefrässigen Bohreinrichtung, die für die 4. Elbtunnelröhre gesorgt hat - dessen Bohrkopf steht wie ein überdimensioniertes "Stargate" als Industriedenkmal direkt neben an.

Das Thema des Treffens war die Verkostung von insgesamt 12 fast repräsentativ ausgewählten belgischen Bieren, einer lockeren Bewertung dieser und einer Diskussion über die Einführbarkeit der Biere auf dem deutschen Markt, im Handel oder in der Gastronomie. Die Auswahl reichte von zwei Tafelbieren der Marke Piedboeuf mit gerademal 1,5% bis zu dem Vorzeigeprodukt des Trappistenklosters Westmalle, dessen Tripel mit 9,5%.

Die Biere stammen allesamt von einem Privatimport, den die Mitglieder Georg Strich, Olaf Reichel und Lars Seyfrid in einem September-Wochenende vollzogen. Zu dem Wochenende selbst ist eine Artikel-Veröffentlichung in der Flaschenpost (Januar 2006) geplant.
Die Bilder entstammen den jeweiligen WebSites der Brauereien.


Hier die Auswertungen, bzw. Ergebnisse

Anmerkungen: Die Verkostung wurde in Vergleichsgruppen aufgeteilt. Die Auswahl an Bieren bestand aus bekannten Klassikern (z.B. Duvel, Westmalle Tripel oder Hoegaarden Wit), Massenbieren (die Tafelbiere von Piedboeuf), einem Vergleichsbier zu deutschen Bieren (Vedett) und aus zufällig ausgewählten Spezialitäten. Die Angaben zu den Bieren beinhaltete herstellende Brauerei, bzw. Verantwortlicher für die Herstellung, Größe der Brauerei in HL, alles so weit bekannt. Bei zwei Bieren war die Herkunft nicht eindeutig (Extra Stout und Gageleer).

1. Gruppe Tafelbiere:
Piedboeuf
Piedboeuf Blond und Bruin (je 1,5% Alk. Vol.) - Hersteller: Piedboeuf (Gründungspartner/Brauerei der InterBrew Gruppe, heutzutage genannt InBev) - Ausstoß: ca. 80 Mio. HL?
Produktbeschreibung: großperlig, sehr neutral im Geschmack. Es mangelte ein wenig an Vorstellung, ob dies ein Bier sei, allerdings wurde es als guter Durstlöscher empfunden und es wurde in Verbindung mit sportgeeigneten Bieren, wie z.B. einem alkoholfreiem Weizenbier, gesehen. Vorschläge, wie ein anderes Etikett, Wellness und Anregungen, ob man so ein Produkt auch vielleicht anders (d.h. nicht als Bier) vermarkten sollte, wurden genannt.
Generell kam das Blond erheblich besser an, als das Bruin.

2. Gruppe belgische Weizenbiere (Witbier):Hoegaarden
Blanche de Namur (4,5% - Brasserie du Bocq - ca. 60.000 HL), Hoegaarden Wit (4,9% - Tochterbrauerei der InBev), Celis White (Ex-Eigentümer der Brauerei Hoegaarden, "Re-Import" aus den U.S.A., d.h. lizenzgebrautes Bier durch die Brauerei Van Steenberge - ca. 30.000 HL)
Belgisches Witbier ist eine sehr eigenständige Anwendung der hellen weizenbasierenden Biere. Produktmerkmale sind: der Einsatz von ungemälztem Weizen, um Schlankheit, Trübung und bessere Schaumstabilität zu unterstützen, sowie der Einsatz von Gewürzen (in der Regel Bitterorangenschalen und Koriandersamen), um Würze und Duft zu betonen. Hopfen hat faktisch keine Funktion der Bittere, sondern wid nur der leichten Würze wegen eingesetzt.
Produktbeschreibungen: Das Blanche de Namur hatte ein sehr ausgeprägtes duftiges Aroma, Hoegaarden war etwas herber, gradliniger und cremiger, während das Celis White einen leichten Anklang von Milchsäure hatte.
Hier wurde von einigen Leuten eine spontane Assoziation mit Gerichten, wie Spargel und Fisch, aufgebaut.
In dieser Bier-Gruppe entstand auch eine Diskussion über Kaufentscheidungen am Supermarkt-Regal speziell von jungen Leuten - wie entscheidet dieser Konsument und nach welchen Kriterien?


3. Gruppe Vollbiere:
Vedett (klassisches Vollbier, Export? - 4,5% - Brauerei Duvel Moortgat - ca. 250.000 HL), Extra Stout (Stout?) - 5% - Hersteller: Callewaert (Etikettenbier?)
In dieser Gruppe wurden zwei eigentlich zusammenhangslose Biere vorgestellt. Das einzige, was diese einte, war der relativ gleiche Alkoholgehalt.
Produktbeschreibungen: Vedett ist einem deutschen Export vergleichbar, somit erfolgten auch einigermassen gewohnte Beschreibungen: vollmundig und mit einer angemessenen Menge an Hopfen. Das Extra Stout entsprach nicht ganz den Erwartungen... ingesamt eher flach, tendentiell zu süß, aber wahrscheinlich endvergoren (somit wohl nachgesüßt).
Es gab keine begleitende Diskussionen zu diesen Bieren.


4. Gruppe Starkbiere:Duvel
Duvel (Streekbier - 8,5% -
Brauerei Duvel Moortgat - ca. 250.000 HL), Westmalle Trippel (Trappist - 9,5% - Trappistenkloster Westmalle - 125.000 HL)
In dieser Gruppe befanden sich zwei relativ bekannte belgische Starkbiere. Das Duvel (übersetzt Teufel) der Brauerei Duvel Moortgat und das hochwertigste Produkt des ältesten Trappisten-Klosters in Belgien, dem Westmalle Trippel, sind beides Biere, die sich durch eine bissige Hopfenbittere und Alkoholstärke hervortun. Der Bier-Führer von M. Jackson klassifiziert beide Biere als geeignete Aperitif-Biere.
Produktbeschreibungen: vornehmlich wurde eine nachhängende Bittere festgestellt.
Im Rahmen dieser Gruppe entstand eine Diskussion über Glas-Design in Belgien. Alle Trappisten-Biere, sowie viele Starkbiere nutzen auffallend große Kelche, angeblich um die Aromawahrnehmung der Biere besonders zu fördern. Hier entstand auch eine Diskussion über Flaschenbiere in der Gastronomie. Flaschenbiere sind in Deutschland wenig verbreitet, da Faßbier möglicherweise als höherwertiger empfunden wird. Vorteile von Flaschenbieren beinhalten allerdings: a. Unterstützung der Herstellungsart FLASCHENGÄRUNG, b. sämtliche Eliminierung der Probleme mit Zapfanlagen (z.B. korrekter Druck, Reinigung der Zuleitungen etc.), c. bessere Produktinformation des Kunden, d. fördert eine Gastronomie mit mehr Biervielfalt.
Ein Teilnehmer hob den Vorteil der langen Haltbarkeit vieler belgischer Biere hervor (oft mehrere Jahre haltbar), was ein "Ausprobieren" solcher Biere durch einen Gastronom ermöglichen sollte.


5. Gruppe Spezialbiere: Liefmans
Liefmans Goudenband (Oud Bruin - 8% - Brauerei Liefmans - ca. 13.000 HL), Gageleer (Streekbier - 7,5% - Lohnbrauerei Lochristi - Hersteller: BLIK), Barbar (Streekbier - 8% - Lefebvre - 15.000 HL).
In dieser Gruppe wurden einige Spezialitäten untergebracht, die nicht vergleichbar sind.
Beim Liefmans Goudenband handelt es sich um die Biersorte Oud Bruin, ein traditionell faßgelagertes Bier, betont säuerlich - alleine die Verpackung ist schon ein Hingucker (in Papier eingewickelt und verkorkt). Das Barbar ist eines der wenigen Honig-enthaltenen Biere, die auch etwas nach Honig schmecken.
Produktbeschreibungen: Liefmans Goudenband - betont säuerlich, Gageleer - auffallend medizinal (was die meisten als angenehm empfanden), Aperitif-geeignet und Barbar - honig-betont, gut gehopft.
Diese Spezilialitäten erscheinen zu speziell, um sie problemlos in ein deutsches Gastronomie-Ambiente zu übertragen. Diese Biere eignen sich für den Genuß in Belgien selbst oder in belgisch-orientierter Gastronomie in Deutschland oder in Gaststätten, die betont auf Bierspezialitäten, sprich auch Bierexoten ausgelegt sind.


20.3.2006 - Bockbier und Bock(bier)wurst - Eine vergessene Liaison
Bockbier März 2006Am 20.3.2006 haben wir in der Gaststätte TRUDE auf dem Gelände des Hamburger Museums der Arbeit eine Starkbierverkostung mit dem Titel "Bockbier und Bock(bier)wurst - eine vergessene Liaison" veranstaltet. Nach diversen Verkostungsveranstaltungen, die sich maßgeblich um das Thema einer vergleichenden Verkostung drehten, haben wir mit dieser Veranstaltung eine erste (wenn man so möchte) Populärveranstaltung organisiert. Inspiriert durch die historische Tatsache, dass Bockwurst im Ursprung sich Bockbierwurst nannte (da sie bevorzugt zum Bockbier gegessen wurde) haben wir eine Starkbierverkostung mit einem Angebot von Bock(bier)würsten kombiniert.
Saisonal war diese Veranstaltung perfekt eingebunden, da wir uns Mitte März auf dem Höhepunkt der Fastenzeit befanden.

Dank einer inzwischen gut gepflegten Fanliste, sowie einer auffälligen Ankündigung durch das Hamburger Abendblatt haben wir einen fulminanten Erfolg gehabt. Schätzungsweise 100 Besucher haben dafür gesorgt, dass zuerst der Senf, dann die Bock)bier)würste und dann annährend unsere ca. 70 Liter Bier weg waren - und das bei einem Durchschnittsalkoholgehalt von ca. 7% Vol.

Die Präsentation wurde von verschiedenen Institutionen unterstützt. So stellte der Qualitätsmetzger Rex aus Jork ca. 100 probiergroße Bock(bier)würste, der SenfSalon Berlin schickte uns eine Reihe sehr interessanter Senfkreationen und allen voran danken wir der Gaststätte TRUDE, dass sie uns flexibel einen passenden Saal für diese Veranstaltung zur Verfügung stellten.

Hier die acht Starkbiere, die vorgestellt wurden:
Biermarke
% Alk. Vol.
Einbecker Mai Ur-Bock
6,5
Hofbräuhaus HB Maibock
7,2
Jever Mai Bock
7,4
Altenmünster Maibock (Allgäuer Brauhaus)
7,5
Frühlingsbock (Crailshaimer Engel -Bräu)
7,2
Andechser Doppelbock Dunkel
7,1
Paulaner Salvator
7,5
Aventinus Weizenstarkbier (Brauerei Schneider)
8,2


Die Veranstaltung wurde durch Helmut Heigert, Journalist für die Allgemeine Hotel- und Gaststättenzeitung, begleitet.